10 Beispiele für geniale Werbetexte von den besten Textern der Welt (und was du von ihnen lernen kannst)

Werbetexte Beispiele

Heute kein Intro.

Der Artikel ist lang und der Inhalt wiegt 'ne Tonne.

Warum?

Weil du hier Werbetexte Beispiele der besten, einflussreichsten und berühmtesten Werbetexter aller Zeiten findest.

Ich zeige dir:

  • Überschriften, die bis heute kopiert werden.
  • Slogans, die bis heute parodiert werden.
  • Werbeanzeigen, bei denen noch heute abgeschrieben wird.

Deshalb machen wir keine Faxen - hier kommt dein Crash-Kurs im Werbetexten:

1) Think Small. - Volkswagen

Die beste Anzeige des 20sten Jahrhunderts.

1991 verlieh das Ad Age Magazine dieser Anzeige diesen Titel.

Wie kam es dazu?

Hier ist die Story:

15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Straßen von Detroit rammelvoll.

Sie waren überfüllt von protzigen Muscle Cars und den riesigen Trucks der Baby Boomer.

Niemand interessierte sich für den winzigen VW Käfer, der ursprünglich von "Nazis" in Wolfsburg hergestellt wurde.

Der Marketing-Großmeister und Werbetexter David Ogilvy sagte dazu:

“To advertise a car that looked like an orthopedic boot would have defeated me.”

David Ogilvy

Wie würdest du etwas verkaufen, das anscheinend niemand haben will?

Hier die Antwort:

William Bernbach positionierte den Käfer als Protest gegen die rauen und dröhnenden Straßen von Detroit - der Underdog gegen den Rest der Welt.

“Think Small.” lautete die Anzeige und machte alles richtig, indem sie gegen sämtliche Regeln der damaligen Norm verstieß:

Eine winzige Abbildung des Produktes auf einer riesigen weißen Fläche - "normal" war es, das Produkt groß und zentriert darzustellen.

  1. Ein Punkt(.) in der Überschrift, um den Lesefluss zu unterbrechen - für damals ein No-Go.
  2. Die Schriftart im sans serif  - damals war serif die Norm.
  3. Der Haupttext war voller Witwen und Waisen - hässlich und unvollständig.
  4. Und zu allem Überschuss war die Anzeige in schwarz weiß gedruckt, obwohl der Farbdruck gerade überall gefeiert wurde.

Und dennoch:

Mit dieser Anzeige stiegen die jährlichen Verkäufe des Käfers auf 500.000.

Warum war die Anzeige so erfolgreich?

Kurz:

Die Positionierung war der entscheidende Faktor.

Der Käfer war kein Auto, mit dem du angeben konntest.

Dafür hast du überall in der Stadt einen Parkplatz gefunden, bei deiner Versicherung gespart und konntest deinen alten Käfer gegen einen neuen tauschen.

Das gewählte Format betonte den Underdog Status des Käfers und zog die Aufmerksamkeit magnetisch auf sich.

Apple machte es mit seinem Slogan “Think Different.” nach und positionierte Apple als ein Produkt für alle, die anders denken:

Visionäre, Querdenker und Idealisten.

Interessanter Fakt:

Think Different ist ein Grammatikfehler. Richtig wäre Think Differently. So hatte Apple schon im Slogan gezeigt, dass sie Normen brechen wollen.


2) Does she… or doesn’t she?

Only her hairdresser knows for Sure! - Clairol

Does She...Or Doesn't She

Quelle: Google Bilder Suche

Damals tat es nur Eine von 15 Frauen.

Jedenfalls im Jahr 1957.

11 Jahre später tat es jede zweite Frau in Amerika:

Haare färben.

Heute müsstest du suchen, um eine Frau zu finden, die es nicht tut.

Diese Werbeanzeige lief so gut, dass einige Staaten per Gesetz Frauen verpflichteten, ihre Haarfarbe auf dem Führerschein anzugeben.

Der Verkauf von Farbstoffen, Farbtönungen und Spülungen stieg auf einen jährlichen Umsatz von $25 Millionen auf $200 Millionen an.

Wie kam es zu einem der einflussreichsten Slogans der Welt, der bis heute auf jegliche Weise parodiert wird?

Hier ist der amüsante Kommentar der Autorin:

“In 1933, just before I was married, my husband had taken me to meet the woman who would become my mother-in-law. When we got in the car after dinner, I asked him, ‘How’d I do? Did your mother like me?’ and he told me his mother had said, ‘She paints her hair, doesn’t she?’ He asked me, ‘Well do you?’ It became a joke between my husband and me; anytime we saw someone who was stunning or attractive we’d say, ‘Does she or doesn’t she?’”

Shirley Polykoff

Warum war die Kampagne so erfolgreich?

Die Antwort findest du in einem einzigen Wort:

Neugier.

Die Werbeanzeige machte daraus ein Spiel, das jeder mitspielen konnte:

Ein Ratespiel.

"Ist die Haarfarbe echt oder nicht?"

Außerdem machte die Überschrift auf das Produkt neugierig: "Ist es wirklich so gut, dass man den Unterschied nicht sieht?"

Hier noch ein paar Gründe, warum die Anzeige so gut lief:

4 Dinge macht die Überschrift richtig:

  1. Sie spricht sofort die Zielgruppe an ("she")
  2. Sie gibt den "Big Benefit" des Produktes sofort wieder: So gut, dass es vom Original nicht zu unterscheiden ist.
  3. Sie nimmt den Frauen die Angst vor Kritik und Inakzeptanz, weil sie gefärbte Haare haben.
  4. Es wird ein positives Gefühl suggeriert: “Deine Haare gehen nur dich etwas an und du hast das Recht, sie zu färben, ohne dass die halbe Nachbarschaft sich das Maul darüber zerreißt.”

#Lesetipp: Das wichtigste Prinzip, um Überschriften zu schreiben - ohne zu hypen

Die Grafik in den Anzeigen zeigte immer ein Foto (keine Zeichnung) einer hübschen Frau, um zu zeigen, dass echte Frauen das Produkt benutzen.

Neben der Frau war immer ein Kind mit derselben Haarfarbe abgebildet, um die natürliche Wirkung des Produkts zu betonen.

Auf diese Weise verschmolzen Bild und Text zu einem Zaubertrank, der jede Frau in seinen Bann zog.


3) “You press the button -

we do the rest.” - Kodak

Es war eine Tragödie:

Der Prozess dauerte Stunden.

Die Ausrüstung wog teilweise bis zu 100 kg.

1888 war die Fotografie nur wenigen Menschen vorbehalten - diejenigen, die sowohl Zeit, als auch das Geld hatten, einen Film zu entwickeln.

Und wer konnte sich diesen Luxus schon leisten?

Doch das alles änderte sich, als George Eastman seine Kamera präsentierte:

“You press the button - we do the rest.”

Mit seiner Werbeanzeige und seinem Produkt eröffnete er einen neuen Markt, der heute Milliarden an Umsätzen einheimst.

Das hätte aber auch alles in die Hose gehen können:

Anfangs engagierte Eastman einen Marketing “Experten”, um sein Produkt zu vertreiben - ein saftiger Griff ins Klo.

Der "Öxperte" konnte die Einfachheit der Kamera weder verstehen, noch in einer Anzeige rüberbringen.

Also machte George Eastman es einfach selbst und erfand mit seiner Anzeige den “Easy Button” des Marketings.

Der  Easy  Button

Heute zählt der "Easy Button" zum Grundwissen eines jeden Verkäufers und Werbetexters.

Verkaufe immer eine Abkürzung, eine Erleichterung oder Bequemlichkeit.

Sprich: Verkaufe einen "Easy Button".

Warum war die Anzeige so erfolgreich?

Eastman hatte zur richtigen Zeit die richtige Entscheidung getroffen.

Die Story:

Vertrieben wurde die Kamera anfangs an zwei Gruppen.

Die erste Zielgruppe waren Fotografen. Sie hatten Zeit und Lust, die aufwendige Kunst und Technik der Fotografie zu lernen.

Die zweite Gruppe waren Amateurfotografen, die einfach kostbare Momente ihres Lebens für die Ewigkeit festhalten wollten.

Später erkannte Eastman, dass die zweite Gruppe praktisch jeden einzelnen Menschen auf der Welt betrifft.

"Jeder will doch ein Foto seines Kindes haben."

So entschied er sich, die Kamera an Amateurfotografen zu vertreiben und erreichte so den Massenmarkt.

Er ließ die Anzeige in sämtlichen Magazinen und Zeitschriften laufen und lockte die Leute mit dem unwiderstehlichen Versprechen “we do the rest” an.

Mit der richtigen Zielgruppe und dem Easy Button war Kodak die nächsten Jahre die Nummer 1.

Er vereinfachte die Fotografie und stellte die Leichtigkeit der Funktion in den Vordergrund.

Ausnahmslos jeder, der ein Foto machen wollte, konnte es ab sofort tun - mit der Kodak.

Heute begegnet dir der "Easy Button" überall:

Das Automatikgetriebe, dass dir ermöglicht selbst mit einem gebrochenen Bein zu fahren.

Der 1-Click-Button auf Amazon, um deine Lieblingsprodukte sofort zu kaufen, ohne aufwändiges Bestellsystem.

Die schnelle Bezahlung bei ALDI dank der NFC Technik.

Der SSD Flitzer in den Laptops anstelle der langsamen HDD Festplatte.

Der Easy Button ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudrücken.

Zeige mir ein erfolgreiches Produkt - ich wette, es hat einen "Easy Button".


4) The Instrument of the Immortals - Steinway

Richard Wagner.

Franz Liszt.

Artur Rubinstein.

Rafael Joseffy.

Sie alle haben eine Gemeinsamkeit:

Sie wurden zu unsterblichen Künstlern.

Doch was hatten sie noch gemeinsam?

Sie alle spielten auf Steinway Instrumenten.

Diese Tatsache war aber nur den Wenigsten bekannt.

Das sollte sich bald ändern...

Hier die Story hinter diesem Werbetext Beispiel:

Als Raymond Rubicam den Steinway-Auftrag bekam, sahen die Anzeigen alle gleich, monoton und langweilig aus:

Eine hübsche junge Frau sitzt an einem Klavier und unter dem Bild ein Text, den niemand beachtete, weil er keine Überschrift hatte.

Beim Recherchieren entdeckte Rubicam eine Liste der großartigsten und berühmtesten Pianisten und Komponisten der Welt - die alle auf einem Steinway spielten.

Und so wurde der legendäre Werbetext geboren:

"The Instruments Of The Immortals."

Seitdem stieg der Verkauf der Steinway Instrumente kontinuierlich an, obwohl der weltweite Bau der Klaviere und Flügel zurück ging.

Was machte diese Werbung so erfolgreich?

3 Dinge waren entscheidend:

  1. Rubicam assoziierte die Instrumente mit den größten Musikern der Geschichte. Menschen, die einen Steinway besaßen, konnten sich mit ihren Idolen und Vorbildern identifizieren und fühlten sich ihnen mehr verbunden. (Das Gleiche macht Nespresso mit Goerge Clooney)
  2. Obwohl viele Menschen einen Steinway haben wollten, konnten sie sich einfach keinen leisten. Was war die Lösung? Ratenzahlung - sie öffnete die Türen der amerikanischen Haushalte für die Steinway Instrumente.
  3. Neben ihrem Büro in New York hatte Steinway eine eigene Konzerthalle. Diese wurde wieder eröffnet und bot potenziellen Kunden ein gratis Konzert an, um den Klang der begehrten Instrumente live zu hören. Es war die perfekte Umsetzung der Verkaufsregel: Show, don't tell.


5) Do you make these mistakes in english? - Sherwin Cody School of English

40 Jahre lang auf Platz 1.

40 Jahre lang ungeschlagen.

40 Jahre lang war sie überall zu sehen:

In Magazinen, Zeitschriften, Comic-Heften und gefühlt wurde sie sogar auf Servietten in Restaurants gedruckt.

40 Jahre lang konnte niemand etwas Besseres bieten.

Wahrscheinlich würde die Anzeige heute noch laufen, wäre sie nach dem Tod von Sherwin Cody nicht eingestellt worden.

Bevor diese Anzeige aber zu einer der berühmtesten Werbeanzeigen der Geschichte wurde, war sie ein Flop.

Die Überschrift lautete:

“Der Mann, der die englische Sprache vereinfachte”

Bei dieser Überschrift glich jeder Verkauf einem Wunder – furchtbar selten.

Als Maxwell Sackheim aber den Auftrag bekam, schrieb er nicht nur die erfolgreichste Überschrift der Welt, sondern auch Geschichte:

“Do you make these mistakes in english?”

Was ist das Geheimnis dieser Überschrift?

Nur ein einziges Wort entfachte die Neugier der Leser zu einem unersättlichen Trieb, dem niemand widerstehen konnte.

Aber dazu kommen wir gleich.

Schauen wir uns an, warum Sackheims Überschrift grundsätzlich besser war als die Erste:

  1. Die erste Überschrift ist eine langweilige Aussage, die kaum das Interesse einer Fliege weckt. Die zweite Überschrift ist eine Frage, die dem Leser ein Beinchen stellt. Der Leser hält inne, denkt kurz nach und will unbedingt die Antwort erfahren.
  2. “Der Mann, der die englische Sprache vereinfachte” ist zu allgemein. Es wird nicht sofort klar, worum es geht. Die neue Überschrift packt das Problem sofort an den Haaren: Machen Sie diese Fehler?
  3. In der ersten Überschrift fehlt das Versprechen. Warum sollte ich die Anzeige lesen? Ich hab nichts davon. “Machen Sie diese Fehler im Englischen” verspricht dem Leser eine Belohnung, wenn er die Anzeige liest. Die genannten Fehler wird er hinterher mit Sicherheit nicht mehr machen. Damit arbeitet die Überschrift mit der Angst der Menschen vor Fehlern, die ein mächtiger Antrieb ist.
  4. “Machen Sie diese Fehler im Englischen” weckt eine ungeheure Neugier beim Leser: Welche Fehler sind gemeint? Mache ich diese Fehler? Macht mein Nachbar diese Fehler? Ein echter Köder.

Das Wort 'diese' erfüllt die Funktion einer Zahl.

Es geht nicht mehr um vage Fehler, sondern um eine bestimmte Anzahl an Fehlern.

Kurz:

Die Überschrift ist spezifisch, präzise und spricht die richtige Zielgruppe an.

Dabei spielt die Überschrift mit dem stärksten psychologischen Trieb: Neugier.

Und ein weiteres kleines Wort änderte alles: "You !"


6) They laughed when I sat down at the piano

But when I started to play!~
- U. S. School of Music

Es war eine trostlose Zeit.

Existenzen wurden zerstört, Familien am Abgrund.

Es war die Zeit der "Great Depression" in Amerika - eine Zeit der Ausweglosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Apathie.

Dieser grauen Wolke stellte sich John Caples' Meisterstück:

"They laughed when I sat down at the piano - but when I started to play!~"

Dieser Werbetext ist ein Meisterwerk und ein legendäres Stück, das jeder Werbetexter kennt.

Die Anzeige erzählt die Story von einem Underdog.

Sie liest sich wie ein magischer Roman, der dich wie ein Strudel in den Text hinein saugt und dich mit einem literarischen Genuss überschwemmt.

John Caples präsentiert einen unwiderstehlichen Verkaufstext, der elegant und subtil in eine Geschichte verpackt wurde, mit dem sich jede Person identifizieren konnte - und wollte!

In einer Zeit der Trauer, Gram und Trostlosigkeit verkaufte die Anzeige keinen Musikunterricht, sondern Freude, Spaß und Vergnügen.

Was machte den Werbetext so erfolgreich?

Die Anzeige ist ein emotionaler Tsunami:

Er reißt den Leser mit und mit flutet ihn mit all dem, was er seit Jahren nicht mehr hatte - sich aber hoffnungsvoll danach sehnt.

In der Anzeige findest du weder Fakten noch Bulletpoints.

Jede Information ist ein subtiler Teil der Geschichte aus der Ich-Perspektive des Underdogs, der plötzlich die gesamte Aufmerksamkeit für sich hatte und mit Anerkennung, Genugtuung und Bewunderung gepriesen wurde.

Darüber hinaus ist die Überschrift ein Cliffhanger, der eine Geschichte mit einem unerwarteten Wendepunkt suggeriert.

Was macht die Anzeige außerdem so besonders?

Der entscheidende Punkt:

John Caples lieferte praktisch den ultimativen Beweis:

Der Mensch kauft nicht rational, sondern emotional.

Um zu kaufen braucht der Mensch keine Fakten, sondern Gefühle.

Und genau diese Gefühle lieferte die Geschichte.

7) “At 60 miles an hour the loudest noise in this new Rolls-Royce comes from the electric clock” - Rolce Royce

Als David Ogilvy den Auftrag bekam, schrieb er die bekannteste Werbeanzeige der Automobilindustrie.

Sie war so erfolgreich, dass im darauffolgenden Jahr FORD Ihre Werbekampagne darauf aufbaute, dass ihre Autos leiser waren als der Rolls-Royce.

Was war das Fundament für den Erfolg dieser Kampagne?

Ogilvy sagte dazu:

“First, study the product you are going to advertise. The more you know about it, the more likely you are to come up with a big idea for selling it.”

David Ogilvy

# Lesetipp: 9 Gebote für das Werbetexten, um mehr zu verkaufen

---

3 Wochen lang las er jeden Bericht über das neue Auto und stieß dabei auf die interessante Aussage eines Ingenieurs:

“At 60 miles an hour the loudest noise in this new Rolls-Royce comes from the electric clock.”

Das wurde später zur Überschrift, gefolgt von 13 Bulletpoints, die sowohl die Eigenschaften als auch die Benefits des neuen Autos aufzeigten.

Warum war die Kampagne so erfolgreich?

Der Hauptgrund, wie Ogilvy sagte, war die Vorarbeit:

Eine gründliche Recherche über das Produkt - und die Zielgruppe.

So konnte Ogilvy der High Society einen Luxuswagen präsentieren, der den Kunden das geben konnte, was sie wollten: Ruhe, Entspannung und Komfort.

Warum überzeugte die Anzeige zum Kauf?

Hier sind 4 Punkte:

  1. Das Format: Die Anzeige ist angenehm für das Auge und listet 13 Bulletpoints auf. Alle sind nummeriert und in kurze Absätze eingeteilt. Die Sätze sind kurz und bringen die Benefits auf den Punkt.
    (Einer der Gründe, warum List-Posts so gut beim Bloggen funktionieren)
  2. Ogilvy platzierte den Preis in die Anzeige - 13.995 Dollar. Warum? Wenn du die richtige Zielgruppe adressierst und sie mit deiner Anzeige überzeugt hast, wird der Preis, egal ob hoch oder niedrig, immer zu einem Kaufgrund.
  3. Die Überschrift gibt den stärksten Benefit wieder. Die Leser wissen sofort, womit der Rolls-Royce überzeugt und bekommen genau das, was sie wollen.
  4. Darüber hinaus ist die Überschrift präzise und spezifisch. Sie spricht verschiedene Sinne des Lesers an und erzeugt ein Kopfkino: Du rast mit 60 Meilen durch die Gegend und hörst - nur die Uhr.

8) Thirst Knows No Season - Coca Cola

Jeder kennt sie.

Jeder hat sie getrunken.

Sie ist das bekannteste Getränk der Welt:

Coca-Cola.

Wie kam Coca-Cola zu diesem Status?

Hier die Story:

Wie jedes andere Erfrischungsgetränk wurde es im Sommer vertrieben und getrunken.

Big Business im Sommer - Kältestarre im Winter.

Doch dann wagte das Unternehmen den Schritt ins Niemandsland und schaltete am 9. Dezember 1922 eine Anzeige, die das Konsumverhalten der gesamten Welt veränderte:

“Thirst Knows No Season”

Boom.

Nicht nur der Slogan, sondern auch die Flasche war in aller Munde.

Der Verkauf von Coca Cola stieg innerhalb der nächsten Jahre auf über 66 Millionen Dollar jährlich.

Später verkaufte Coca-Cola mehr Getränke im Winter als im Sommer.

Das war aber nur der erste Schritt zu einem Imperium. Der zweite Schritt war ein Genie Streich:

Coca-Cola hörte auf, das Produkt zu vertreiben und verkaufte stattdessen einen Lifestyle.

Sie etablierten ihr Getränk in den Alltag der Menschen und verknüpften Cola mit allen möglichen Situationen.

So erschufen Sie die Anzeige “The Pause That Refreshes” im September 1929 und verknüpften es mit dem harten Arbeitstag der Amerikaner:

Gönn dir eine Pause und erfrische dich mit einer kalten, prickelnden Coke, die für dich schon bereit steht.

Auf diese Weise transformierte Coca-Cola ihr Getränk zu einem "american way of life".

Dadurch verknüpfte Coca-Cola ihr Produkt mit alltäglichen Situationen der Amerikaner.

Somit wurde klar, wann man Cola trinken konnte:

Immer.

9) The filter doesn't get between you and the flavor! - Marlboro

Der Marlboro-Mann veränderte die Werbung für immer.

Zum ersten Mal wurde nicht das Produkt verkauft, sondern ein Lifestyle.

Die Story:

Anfangs hatte Marlboro den Ruf, eine Filterzigarette für Frauen zu sein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Marlboro von Camel, Lucky Strike und Chesterfield vom Markt gedrängt.

Doch Mitte der 1950er Jahre wurde publik, dass rauchen Lungenkrebs hervorruft.

Das war die Chance und das Comeback für Marlboro und die Filterzigarette:

Leo Burnett erhielt den Auftrag und erschuf den "Marlboro Man" - einen Cowboy mit mysteriöser Vergangenheit und Amerikas Nr. 1 Symbol für pure Männlichkeit.

Frauen, Männer und Jugendliche wollten sein wie der tätowierte, mysteriöse Cowboy.

Marlboro war nicht mehr eine Zigarette für Frauen, sondern ein Sinnbild für Männlichkeit.

Marlboro verkaufte seitdem keine Zigaretten mehr, sondern eine neue Identität, ein Gefühl der Freiheit und ein starkes Selbstbewusstsein.

Wer konnte da schon nein sagen?

So erklomm Marlboro den Zigarettengipfel und positionierte ihre Schachtel an der Spitze.

Bis heute ist Marlboro die meistverkaufte Zigarettenmarke der Welt.

Wie hat Marlboro es geschafft, diese neue Identität zu verkaufen?

Der Fokus lag auf den Fotos.

1954 lief die Anzeige erstmals in Magazinen und propagierte nur eine einzige Botschaft: Männlichkeit.

Das Layout für die Anzeige war ein Cowboy.

Seine Tattoos suggerierten eine raue, wilde und doch romantische Vergangenheit.

Das Foto war so wichtig für die Etablierung des neuen Images, dass es fast die gesamte Anzeige ausfüllte.

Die Überschrift und der Markenname wurden reverse ins Bild platziert.

Sprich:

Es ging überhaupt nicht um das Produkt, sondern nur um das Gefühl, ein starker und wilder Mann zu sein.

10) Vision Breakthrough - BluBlocker

vision breakthrough Werbetext

Quelle: BluBlocker

Es war revolutionär.

20 Millionen Exemplare wurden verkauft.

Von da an, wurden alle Anzeigen mit dieser Emotion gestartet.

Joseph Sugarman (einer der größten Werbetexter aller Zeiten) bombardierte den Leser mit einer provokanten Headline und weckte so die Neugier der Zielgruppe:

When I put on the pair of glasses what I saw I could not believe. Nor will you.

Er verrät nicht, was er gesehen hat und hinterlässt beim Leser einen "Open Loop", der zwangsweise wieder geschlossen werden muss.

Also liest der potenzielle Kunde weiter.

Mit dieser Anzeige katapultierte Sugarman BluBlocker in den Massenmarkt und verkaufte über 20 Millionen Exemplare.

Was machte die Anzeige so erfolgreich?

Sie war eine der ersten ihrer Art:

Sie klärte den Leser auf.

Bevor die Anzeige lief, sprach kaum jemand über Schäden von UV-Strahlen.

Nackte Fakten wären langweilig gewesen.

So nutze Joseph Sugarman den Story-Ansatz und erzählte, wie er die neuen BluBlocker entdeckt hatte. Und klärte in der Geschichte über die Risiken von UV-Strahlen auf.

Außerdem packt er den Leser mit einem genialen Einstieg:

Er schreibt, dass er dem Leser eine Geschichte erzählen wird. Wer ihm glaubt, wird belohnt werden.

Wer ihm nicht glaubt, der wird wenigstens eine tolle Zeit im Text verbringen.

Win-Win.

Was ist an diesem Werbetext so besonders?

Joseph Sugarman ist der Meister der "Rutsche".

Sprich:

Der erste Satz lockt den Leser in den zweiten. Der zweite Satz lockt den Leser in den dritten.

Und so rutscht der Leser in den Text hinein und kann erst aufhören, wenn er ganz unten angekommen ist.

Dieses Prinzip der "Rutsche" erklärt Sugarman in seinem Buch.

Plus:

Am Ende raubt Sugarman ihm alle Bedenken mit einer Garantie:

“30 Tage kannst du deine neue Brille testen - wenn du keinen signifikanten Unterschied bemerkst, kannst du sie wieder zurück schicken und ich erstatte dir sämtliche Kosten.”


Welcher Werbetext hat auf dich den größten Einfluss gehabt?

Das waren die einflussreichsten und größten Beispiele für Werbetexte

Natürlich ist das nur meine kleine Auswahl.

Es gibt noch duzende weitere Werbetexte, die Schlange stehen, um in diese Liste aufgenommen zu werden.

Deshalb brauchen wir deine Hilfe:

Welcher Werbetext hat dein Denken für immer verändert?

Welcher Werbetext war ein echter Augenöffner des Werbetextens für dich?

Poste ihn in die Kommentare.

Dann haben alle etwas davon.

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Schreib großartig, sei großartig,

Dein Walter

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  • Hallo Walter, sehr gut zusammen gestellt. Ich habe mir auch direkt das Buch dazu bestellt 🙂 Schade, dass es nicht so etwas auch in deutschen Anzeigen gibt. Denn es gibt zwei Anzeigen, die wirklich für mich relevant waren: Die Apple Think Different Kampagne, die Du zwar aufführst, aber nicht näher erläuterst. Denn sie ist auch ein Paradebeispiel für den Goldenen Kreis von Simon Sinek. Und sie wirkt zudem doppelt: Auf den Endkunden und auf potentielle Mitarbeiter. Denn die Anzeige erläutert das „Warum“ hervorragend und sagt auch: Bei uns darfst Du auch als Mitarbeiter anders sein und den Status Quo in Frage stellen. Wir wollen das sogar. Die zweite Anzeige war die Käfer Anzeige in Deutschland: Er läuft und läuft, und läuft und läuft. Ich glaube Jung von Matt oder McCann Erickson hat sie kreiiert. Immer weider geren lese ich Deine Blog-Artikel. Viel Stoff zum lernen und Anregung sammeln. Herzlcihe Grüße Achim Stillert, Resonanz-Marketing.de

    • Hallo Achim,

      Wenn ich ein Buch für den deutschen Markt entdecke, dann stelle ich es hier vor 🙂

      Und die „und läuft und läuft“ Anzeige habe ich auch noch im Kopf 🙂

      LG, Walter

  • Vielen Dank für die Lehrstunde Walter!
    Ich muss immer wieder lachen, wenn du Öxperten schreibst 😀

    Zu deiner Frage, hier zwei Vorschläge, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und mir spontan einfallen:

    1) Ich finde den Ansatz hier sehr gut: https://swiped.co/file/caseforgold-lander-agora/
    Das man ein Bonuskapitel auf der eigenen Sales Page verkauft, den es in der Amazon-Version so nicht gibt.

    2) Die 2 Milliarden Geschichte, die den Leser in einen von zwei Camps steckt.
    https://swiped.co/file/wallstreet-letter-conroy/

    Grüße
    Tomasz

    • Hi Tomasz,

      Danke für deine Ideen.

      Das mit dem Bonuskapitel mache ich so ähnlich bei Affiliate-Paketen.

      Damit Menschen bei mir kaufen (und nicht auf der großen Plattform) biete ich ein „Mehr“ an.

      Funktioniert großartig 😉

      LG, Walter

  • Klasse Sammlung, Walter! Einige kannte ich noch nicht.
    Ich war ja als 25jähriger auch mal für zwei Jahre Werbetexter in Frankfurt und habe damals mich viel mit Marketing und Texten beschäftigt. Die Erfahrungen damals helfen mir heute noch beim Blogartikelschreiben.

  • „Just do it.“
    „Life‘s good.“
    Der Herzschlag in der Audiwerbung als akustisches Merkmal.

    Danke für alles, lieber Walter. Du bist so eine große Bereicherung, nicht nur für Werbetexterinnen und Bloggerinnen. 🙂

  • Der Einstieg in das Kult-Mailing von Bill Bonner aus 1979 für seinen damals neuen Infobrief »International Living«. Besser kann es keiner sagen. Die Idee dahinter verwende ich seit 2007 für meine Webseite »Leben im Ausland«:

    “You look out your window, past your gardener, who is busily pruning the lemon, cherry, and fig trees… amidst the splendor of gardenias, hibiscus, and hollyhocks.

    “The sky is clear blue. The sea is a deeper blue, sparkling with sunlight.

    “A gentle breeze comes drifting in from the ocean, clean and refreshing, as your maid brings breakfast in bed.

    “For a moment, you think you have died and gone to heaven.

    “But this paradise is real. And affordable. In fact, it costs only half as much to live this dream lifestyle… as it would to stay in your own home!

    “Dear Reader…

  • Hallo Walter,

    vielen Dank für deine anregende Zusammenstellung erfolgreicher Werbeanzeigen, das sind wirklich tolle Beispiele zum Lernen von den ganz Großen – Wahnsinn, welches Lebensgefühl da teilweise verkauft wird.

    Im deutschsprachigen Raum fand ich in der Mitte der 90er Jahre die Werbekampagne von Jung von Matt sehr ansprechend: „Sind wir nicht alle ein wenig bluna?“. Sie stand dafür, dass jeder in sich verrückte, schräge oder wundersame Komponenten vereint und das verbindende Element dieser Aussage gefällt mir noch heute.

    Auch die Schwaben-Kampagne derselben Agentur: „Wir können alles, außer Hochdeutsch“ war sehr erfolgreich und im Schwabenland sehr beliebt, weil es mit einer offensichtlichen Schwäche kokettiert.

    Viele Grüße
    Katharina

    • Danke Katharina für deinen Kommentar.

      Das mit dem Hochdeutsch ist echt witzig und ich glaube es ist so effektiv, weil Selbstironie auch entwaffnend ist. So kann dein Gegenüber nichts mehr gegen dich einwenden 🙂

      LG, Walter

  • Selbst über 50 Jahre später habe ich noch den Slogan „Viel Milch, wenig Kakao“ im Ohr. Kinderschokolade wurde so als etwas Gesundes angepriesen, das man seinem Kind guten Gewissens geben konnte. Diese Schokolade war gut für Kinder und ihr Wachstum!

    Toll damals für uns Kinder, und noch heute ist mein Unterbewusstsein davon überzeugt, dass Kinderschokolade der gesündeste Schokoriegel sei.

    • 😀
      Mein Schwiegervater glaubt auch, dass sein Kindheitsessen gesund sei… Wir können ihn nicht vom Gegenteil überzeugen 🙂

      So stark ist eine Meinung, die man sich einmal gebildet hat.

      LG, Walter

  • … Weißt du noch im letzten Jahr – Weißt du noch – Weißt du noch – Ein Sonnenstrahl und er war da – Weißt du noch… So schmeckt der Sommer! So schmeckt der SOMMEEEEER.
    Yeeeeah!!! Wenn einem da nicht das Herz aufgeht, weiß ich auch nicht mehr weiter 🙂 Langnese hat das gut gemacht!!!

    Und lieber Walter,
    herzlichen Dank für die tolle Zusammenstellung und allgemein für deine vielen hilfreichen und unterhaltsamen Tipps.
    Viele Grüße, Dorina Seidler

  • 1. Die Werbung für camel: Zigaretten
    Kennt ihr? Kamel vor Pyramide in Ägypten
    Im Kino in riesig, auf Werbeflächen in der Stadt, auf der Packung (?)
    Mega-gelungen
    ein klares Bild, ein Wort, ein Botschaft: Mit camel bin ich „Mann von Welt“ – ich selber bin weiblich und habe noch nie geraucht, aber diese Werbung, genial.
    Am Kino war die Werbung eh das Größte, neben dem Schmusen können in bequemen Sesseln und im Dunkeln(heute noch).
    2. Wieder Zigaretten
    Marlboro-Werbung
    hofiert dem Männlichkeitsideal, „einsam und immer unterwegs“
    klassische Männerphantasien
    Dasselbe Prinzip: Ein Foto (Mann), ein Stereotyp und Wunschbild, aber es war eine Melodie
    3. Heute? Man müsste den Mut zu plakativer Schlichtheit haben auch die o.g. waren ein Augen-Öffnet wortwörtlich, fiele aus dem Rahmen

  • Hi Walter

    Sehr guter Beitrag. Vielen lieben Dank.

    Die Werbeanzeige mit dem VW Käfer hat mich sehr inspiriert. Da ich selbst auch sehr klein bin (1,62m), und ich dadurch nicht überall hinkomme, muss auch ich viel umdenken oder anders denken. Ich finde diese Anzeige eine der besten.

    Hier habe ich für euch meinen Link zum Blog. Ich hoffe er gefällt euch. Anregungen oder Tipps? Immer her damit.
    Viel Spass 😉

    https://www.liebes-kiste.ch

    Grüsse aus der Schweiz

  • „Wir sind Papst“ – der Werbetext von genialen Journalisten für Deutschland!

    Ich habe übrigens dein Gebot schändlich missachtet und deinen Blog auf LinkedIn EMPFOHLEN: „Geniale Werbetexte und ein genialer Blog, der reingeht wie Grossmutters Tomatensauce.“

    Sorry gäll!

  • Hallo Walter,
    ich bin noch gar nicht durch mit dem Lesen, will aber dennoch einen AHA-Moment teilen: Hey, ich verkaufe ja auch einen Easy Button! Das war mir vorher gar nicht klar. Erst durch deinen Text hab ich das so verstanden. Schätze, ich sollte meine Werbetexte mal daraufhin anpassen…

    DANKE — mal wieder!

    Katharina

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    Deine ersten 10.000 Leser.
    Meine 11 Rezepte zeigen dir wie:

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