April 18

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„Immer weiter schreiben“ – Interview mit Elja Janus über ihren ersten Roman, Schreibtipps und Geld

Immer weiter schreiben - Interview mit Elja Janus

Elja Janus lebt mit ihrer kleinen Familie in Aachen, wo sie 1982 das Licht der Welt erblickte und ein Weilchen später Deutsche Philologie, Psychologie und Theologie studierte.

Elja Janus

Zu ihrem Debüt-Roman inspirierten sie die Frage „Was wäre, wenn…“. Es entstand der Roman „Immer noch Wir“. Er ist der Gewinner-Titel der mit insgesamt 10.000€ dotierten Literaturausschreibung der Leselupe-Literaturagentur und des FeuerWerke Verlags. Eljas nächster Roman „Zwei in Solo“ erscheint im Juni 2019 ebenfalls im FeuerWerke Verlag.

Schreibsuchti hat mit Elja über ihr erstes Buch, den Schreibprozess und Produktivität gesprochen:

Walter: „Wie bist du zum Schreiben gekommen?“

Elja Janus:

„Mein Weg zum Schreiben war auch nicht gerade normal. Meine kleine Tochter konnte nicht schlafen, ohne dass jemand bei ihr blieb. Also saß ich dort in Stille und Dunkelheit. Zuerst habe ich mir einen E-Book-Reader gekauft, dann haben sich aus gelesenen Sätzen auf seltsame Weise eigene gebildet. Irgendwann habe ich angefangen, die aufzuschreiben, die mir wirklich gefielen. Aus den Sätzen wurden mit einem Mal Szenen, Kapitel.

Und eines Tages wurde mir klar: Oh, wow! Das wird ein Buch! Man muss sich auch mal selbst überraschen. Und vermutlich war tatsächlich niemand überraschter darüber als ich.

Aus dem ersten Buch ergab sich dann ein zweites, daraus ein drittes und so weiter … Mein Debüt-Roman ist die vierte Geschichte, die ich fertiggestellt habe.“

„Gab es Menschen, die dir das Schreiben ausreden wollten?“

„Nein, glücklicherweise nicht. Ich hätte wohl weitergemacht, aber das Gefühl wäre ein anderes gewesen. Vor allem wenn es ein Mensch gewesen wäre, der mir wirklich etwas bedeutet.“

„Wie würdest du deinen Stil beschreiben und wie hast du deinen eigenen Schreibstil gefunden?“

„Bildhaft, gefühlvoll, natürlich … das Wort zart ist ein paarmal von außen gefallen.

Gefunden habe ich meinen Stil zum einen durchs Lesen. Ich markiere mir sehr gerne in E-Books einzelne Worte oder Sätze, die ich gelungen finde und die mich inspirieren. Ich weiß noch, dass ich damals „Wie die Luft zum Atmen“ von Brittainy C. Cherry gelesen habe und dachte: Ach, so geht das ja auch, dieses Schreiben über Gefühle.

# Lies dazu: 5 Wege, deinen Schreibstil zu verbessern – ohne zu schreiben

Aber es ist nicht nur durch das Lesen von Romanen, sondern auch von Blogs und Schreibtrainern – da ertappt man sich natürlich bei einer ganzen Menge Anfängerfehler, die man halt kennen muss, um sie zu vermeiden.

Und nicht zuletzt durch das Schreiben. Wenn ich jetzt alte Texte lese, möchte ich mich manchmal ein bisschen verstecken. Mir ist gar nicht aufgefallen, wie viel ich nebenbei durch die Praxis gelernt habe. Sprachliche Bilder beispielsweise schlüpfen jetzt einfach von alleine zwischen die Zeilen, es gibt weniger Adverbien, dafür passendere Verben. Selbst der Satzbau ist ein anderer.“

# Lies dazu: Die 43 besten Schreibtipps aller Zeiten

„Produktivität: Welche Tipps für Autoren kannst du geben, um produktiv zu sein?“

  1. Schreiben

„Das klingt jetzt vermutlich etwas seltsam, aber ich meine das komplett ernst. Ich habe so wenig Zeit zum Schreiben, dass ich sie nicht vergeuden will. Wenn ich einmal nicht weiterweiß, schreibe ich einfach, was mir in den Sinn kommt. Das Unterbewusstsein ist manchmal cleverer als alles lang Geplante. Und selbst, wenn nicht … Manchmal kommt nicht viel mehr als Blödsinn heraus, der für das Buch am Ende nichts taugt. Aber es bringt mich der Handlung und vor allem den Charakteren näher.

2. Inspiration nutzen

Alles notieren, wenn es einem einfällt, um es zur richtigen Zeit einzubauen. Der Kalender in meinem Handy ist voll von Ideen, Dialogen und kurzen Szenen.

3. Nicht zwischen Schreiben und Überarbeiten wechseln

An diesem Tipp scheitere ich selbst immer wieder.

Die beiden Schritte beanspruchen unterschiedliche Regionen im Gehirn, man stellt seinen Gedankengängen also ständig selbst ein Beinchen und wundert sich dann, wenn sie ins Straucheln kommen.

Manche Stellen überarbeite ich ständig, andere überhaupt nicht. Das bedeutet: Wenn die erste vollständige Fassung eines Manuskripts fertig ist, hat es jedes Mal etwas von einem verdammt knittrigen und schlecht gebügelten Hemd. Man begutachtet es und sieht mehr knittrige Stellen als glatte. Aber die paar sind so glatt, dass sie einem beinahe schon wie Flecken vorkommen. Das sieht echt nicht schön aus und gibt einem das Gefühl, man hätte das meiste vermasselt.“

„Wenn du 3 Schreibtipps für guten Stil geben könntest, welche wären das?“

1. Nutze Bilder

„… und zwar solche, die noch nicht so oft benutzt wurden, dass sie beinahe schon zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören. Und dann knetet und schiebt so lange daran herum, bis sie wirklich perfekt sitzen. Auch ein sprachliches Bild aus zehn Worten sagt so oft mehr als tausend Worte, die drum herum stehen.

2. Lernt eure Charaktere kennen und lieben wie eure Kinder.

Und dann lasst sie frei, damit sie ihren eigenen Weg finden. Protagonisten tun besondere Dinge, haben vielleicht verrückte Eigenschaften, aber sie repräsentieren auch einfach nur Menschen. Sie haben ihre Art zu reden, bestimmte Gesten, der eine räuspert sich, wenn er nervös ist, der andere wird rot oder stottert. Lasst ihnen ihre Eigenarten, aber lasst ihnen auch ihre Alltäglichkeit. Dann kreiert ihr Menschen, mit denen man fühlt und leidet. Daraus ergeben sich dann auch um einiges bessere Dialoge, die echt klingen und nicht so hölzern wie ein ganzer Wald.

3. Löschen

Streicht weg, was euch nicht gefällt oder nicht berührt. Zumindest mir geht es manchmal so, dass ich an einzelnen Stellen immer und immer wieder hängen bleibe, wenn ich sie überarbeite. Ich habe in der Arbeit mit meiner wundervollen Lektorin Claudia Grundschok einen auf den ersten Blick banalen, aber so wirkungsvollen Trick kennengelernt: Wenn etwas stört, gehört es dort womöglich einfach nicht hin und muss weichen. Oder anders gesagt: Ohne Scherben kein Mosaik.“

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„Was war deine „dunkelste Stunde“ und wie bist du da wieder heraus gekommen?“

„Ehrlich gesagt hatte ich in puncto Schreiben gar nicht so viele. Aber ich glaube, meine dunkelste Stunde war, als ich gemerkt habe, dass ich meine Bücher wirklich veröffentlichen möchte und mir plötzlich die Angst, dass ich es nicht könnte, die Finger steif werden ließ. Da ging nicht mehr viel mit Schreiben.

Wie ich da herausgekommen bin? Ich habe mir mit Immer noch wir die Angst Buchstabe für Buchstabe mit steifen Fingern aus der Seele getippt, bis sie wieder beweglich wurden. Bei jedem der zig Male, die ich das Manuskript überarbeitet habe, kam ich immer wieder an die Stellen, an denen ich dachte: Ja, du willst das. Du willst das. Und dann … habe ich das Buch eingeschickt.“

„Thema Zeit: Wie kann man Zeit zum Schreiben finden, wenn man berufstätig ist?“

„Das Leben ist eine Aneinanderreihung von bewussten oder unbewussten Prioritäten. Seitdem ich Mutter bin, weiß ich erst, was wirklicher Zeitmangel ist. Ich meine, das ist ein 24-Stunden-Job.

Und doch habe ich genau als junge, damals wirklich gestresste Mutter angefangen zu schreiben. Meine Wohnung sieht meistens furchtbar aus, ich schaffe es selten zum Friseur und schaue kein Fernsehen. Es gibt Leute, die stehen morgens um vier, fünf Uhr auf (Anmerkung von Walter: Ich war so ein Mensch, als ich noch nicht vom Schreiben leben konnte :), um zu schreiben – das wäre nicht meins. Dafür habe ich nicht nur einmal bis Mitternacht geschrieben, wenn die Kreativität ihren guten Tag hatte und noch nicht nach Hause gehen wollte.

Jeder muss wissen, wo er Abstriche machen möchte. Und wenn man gerade keine machen will, um statt anderer Dinge zu schreiben, ist das doch auch eine legitime Entscheidung. Man sollte sie nur bewusst treffen.“

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„Wer ist dein Vorbild und warum?“

„Schreiberisch? Mein Vorbild sind alle Autoren, die es schaffen, mich mit einem einzigen Buch zum Weinen und zum Lachen zu bringen und mich so zu berühren, dass ich es mindestens noch ein zweites Mal in die Hand nehme, um einzelne Passagen oder das ganze Buch noch einmal zu lesen. Vor diesen Menschen verneige ich mich innerlich.“

„Thema Geld: Wie kann man als Autor über die Runden kommen, wenn man noch nicht genug mit den eigenen Büchern verdient?“

„Manche schreiben nebenbei journalistisch, andere bieten online oder von Angesicht zu Angesicht Kurse oder Coachings an oder verdienen Geld mit ihren Blogs (Anmerkung von Walter: Habe ich alles schon durch :).

# Lies dazu: Blogger werden: So geht’s !

Ich bezweifle, dass es eine Patentlösung gibt – so wie bei allem im Leben. Wenn jemand die perfekt auf mich und mein Leben zugeschnittene Lösung hat, gerne eine Email schreiben!“

„Wenn du nur einen Tipp für angehende oder junge Autoren hättest. Welcher wäre das?“

„Schreiben, immer weiter schreiben, um dabei zu lernen – und zwar mit Liebe zu jedem einzelnen Wort.“

„Vielen Dank für das Interview.“

Wie immer gilt:

Schreib großartig, sei großartig und trage dich in meine E-Mail-Liste für exklusiven Content ein.

Dein Schreibsuchti Walter

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  • Sehr inspirierend. Tolle Leistung.
    Ich schreibe auch schon seit einiger Zeit an meinem ersten Buch.
    Die, Was wäre wenn Frage, um einen guten Inhalt einen guten Plot zu finden, kann ich nur bestätigen. Es ist eine geniale Methode, um auf völlig neue und verrückte Ideen zu kommen.

    Und beim Lesen ihrer Biographie machte es bei mir Klick, weil ich eine Gemeinsamkeit entdeckte, wie sie zum schreiben kam. Auch ich lese sehr viel, wobei das eher Sachbücher sind und wie sie fange ich an, bei bestimmten Stellen, die Sachen neu zu schreiben, wenn ich meine eigenen neuen Gedanken empfange.

  • Lieber Walter und liebe Elja!
    Danke für die Inspiration – immer wenn ich von Autoren lese, fühle ich mich sehr verbunden – Der Witz ist ja, dass auch wenn man noch nicht mit einem Buch veröffentlicht wurde, wenn einen Zweifel lähmen, man doch immer wieder schreibt. Als Autor kann man gar nicht anders, schätze ich!
    liebe Grüße
    Susanne

    • Da hast du so recht, liebe Susanne!
      Es ist ein bisschen wie mit dem Schlafen. Es gibt diese Phasen, in denen man sich zu viele Gedanken macht (oder ein kleiner Mensch einen immer wieder weckt 😉 ), aber am Ende geht es nicht ohne. Man wird wieder einschlafen, wenn man es ohne nicht mehr aushält.
      Für mich gehört Schreiben ein bisschen in die gleiche Kategorie. Und wenn es nur ein Satz ist, den ich schnell ins Handy tippe oder in ein Notizbuch schreibe. Er muss raus!
      Liebe Grüße
      Elja

  • „Wenn ich jetzt alte Texte lese, möchte ich mich manchmal ein bisschen verstecken.“

    Das kann ich nachempfinden, liebe Elja Janus. Manchmal möchte ich mich nicht nur verstecken, sondern mein altes Ich schütteln, wenn ich sehe, wie viele Fehler ich mir erlaubt habe. Aber das gehört wohl zum Lernprozess dazu. Wenn ich in ein paar Jahren die Texte lese, bei denen ich mir heute auf die Schulter klopfe, werde ich wieder feststellen, dass ich ein ganzes Stück weitergekommen, dass ich besser geworden bin.
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Ihre angenehme Zartheit erhalten und viele literarische Erfolge verbuchen können. (:
    Alles Liebe!

    • „Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Ihre angenehme Zartheit erhalten“
      Was für ein schöner Satz – vielen lieben Dank!

      Ja, wenn wir etwas tun, was wir lieben, wachsen wir so vor uns hin und merken es oftmals nicht einmal. Das ist einfach toll!

      Viel Freude beim Schreiben und Wachsen und Schreiben und Wachsen …

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