Juni 22

41 comments

„Komm niemals nackt“ und andere Regeln für eine spannende Artikel-Struktur

Blogartikel Struktur und Aufbau

Bin ich krank?

Oder liegt es an den Blogartikeln?

Jedenfalls kann ich kaum einen Blogartikel zu Ende lesen und dafür gibt es nur zwei logische Erklärungen:

Erklärung 1: Ich leide unter „Scaneritis“?

Erklärung 2: Die Artikel, die ich lese sind zu langweilig.

Oder beides.

Und ich weiß, dass nicht nur ich darunter leide, sondern deine Leser auch.

Hast du auch das Gefühl, dass nur die Wenigsten deine Artikel bis zum Schluss lesen?

Wenn ja, dann habe ich eine Lösung für dich.

Das Heilmittel lautet:

Eine spannende Blogartikelstruktur.

Die Struktur des Artikels entscheidet darüber, ob der Leser bis zum Schluss liest oder nicht.

Mit einer spannenden Struktur heilst du auch direkt die Scaneritis: Denn warum sind die meisten Menschen heute im Internet als Scanner unterwegs?

Weil alle Texte gleich klingen und damit „scanbar“ sind. Einmal drüberhuschen reicht – es steht sowieso nichts Spannendes drin.

Ich habe für dich deshalb drei Regeln aufgestellt, mit denen du eine spannende Blogartikelstruktur erzeugen kannst:

Regel Nr. 1: Komm niemals nackt

Blogartikel Struktur und Aufbau

Denk mal an ein schickes Restaurant aus deiner Stadt.

Du hast dort eine Verabredung.

Kerzenschein, romantische Musik, leckerer Duft aus der Küche.

Dein Date kommt durch die Tür und ist…

…komplett nackt.

Und nicht nur das: Er (oder sie) knallt dir eine Liste mit all ihren Geheimnissen auf den Tisch.

Die Folge: Der Reiz deines Dates geht verloren.

Du weißt jetzt alles über dein Gegenüber. Es gibt nichts mehr zu entdecken. Und nackt hast du es auch schon gesehen.

Es ist, als ob der Mörder mit Pauken und Trompeten angekündigt wird.

Als ob du das Ende des Films schon kennst.

Aus diesem Grund schaue ich auch keine Kino-Trailer mehr: Weil sie zu viel verraten.

Diesen Effekt erzeugen aber viele Blogger und Autoren in ihren Texten:

Sie lassen die Hosen zu früh runter.

Der Leser hat dann alles, was er wollte und zieht einfach weiter.

Ja, ich widerspreche allen Ratgebern, die sagen, dass dein Content leicht verdaulich und „scanbar“ sein muss. Content muss ihrer Meinung nach sein wie Fast Food: Schnell erstellt, schnell gegessen, schnell vergessen.

Ich bin aber für Texte, die tiefer gehen. Texte, die eine Beziehung zum Leser erzeugen – und das geht nur, wenn der Leser jedes

einzelne

Wort

liest.

Die Lösung?

Zögere deine Antwort so weit wie möglich hinaus.

Beispiel: Der heimliche Grund, warum ich schreibe

In diesem Artikel verrate ich, warum ich schreibe. Ich hätte die Antwort schon im ersten Satz liefern können… habe ich aber nicht.

Die Wirkung: Die Menschen lesen genauer und verbinden sich mit dem Text.

Der Beweis sind die Kommentare:

„Der Text ist tiefgründig und spricht seinen Lesern aus der Seele. Mir zumindest.“

„Dein Artikel hat mich sehr angesprochen“

„Ich freue mich auf weitere Artikel“

„Dieses Manifest kommt in mein Creative Journal und wird immer dann aufgeschlagen, wenn ich wieder einmal einen creative „Hänger“ habe“

Der Text konnte nur zu den Lesern durchdringen, weil sie sich auch lang genug mit ihm beschäftigten.

Das entscheidende Kriterium für eine Verbindung zum Leser ist nämlich:

Zeit.

Je mehr Zeit er auf deiner Seite verbringe, desto besser.

Klar, mit „Snack-Content“ kannst du Leser anlocken. Aber binden kannst du sie nur mit einem vernünftigen Menü.

Wie du den Leser zappeln lässt

Es wäre unfair von mir, dir zu sagen, dass du die Antwort bzw. die Lösung hinauszögern sollst, dir aber nicht zu sagen, wie.

Hier sind deshalb drei kleine Tricks, wie du den Leser zappeln lassen kannst, ohne den Text aufzublähen und Bullshit zu labern:

1. Schiebe eine Geschichte dazwischen:

„Warum war Her Müller so erfolgreich? Dazu eine kleine Geschichte: Walt Disneys Zeichungen wurden so oft abgelehnt, dass…“

2. Stelle eine Antithese auf:

„Ich verrate dir gleich, worauf es beim Bauchmuskeltraining ankommt. Vorher möchte ich dich aber warnen und vor den schlimmsten Fehlern bewahren. Diese Fehler sind…“

3. Lass den Leser mitdenken:

„Es gibt drei Möglichkeiten, aber nur eine ist richtig. Welche ist es?
Du darfst jetzt tippen.
Fertig?
Bevor ich dir die richtige Antwort verrate, erkläre ich dir, warum die anderen Antworten falsch sind…“

Mit diesen drei kleinen Tricks kannst du die Antwort etwas hinauszögern und den Leser länger an der Stange halten.

Der Leser verbindet sich stärker mit dem Text und das Wichtigste:

Er liest weiter.

# Lesetipp: 3 Tricks, um spannend zu schreiben

Regel Nr. 2: Mache ein Versprechen

Blogartikel Struktur und Aufbau - Regel 2

Erinnerst du dich an die Weihnachtszeit als du noch ein Kind warst?

Diese Zeit ist so schön, weil man von einer ganz bestimmten Sache erfüllt ist:

Vorfreude.

Diese Form der Freude musst du auch für dich und deine Texte verwenden.

Wie?

Indem du deinen Lesern zu Beginn etwas versprichst (so wie Kindern zu Weihnachten ein Geschenk versprochen wird).

Sage deinen Lesern, was sie erwartet. So steigt in ihnen schon die Vorfreude und sie werden den Text auch aufmerksam lesen, damit sie die versprochene Lösung auch nicht verpassen.

In einem guten Restaurant wird nie einfach das Essen auf den Tisch geklatscht. Der Kellner erklärt immer höflich, was es heute gibt und was die Gäste erwartet.

So etwas erzeugt Vorfreude und Appetit.

Wie du Vorfreude beim Leser erzeugst

Natürlich kannst du es ganz banal machen und einfach wie in einem langweiligen Vortrag sagen, was die Zuhörer erwartet.

Viel besser ist es, wenn du keine Inhaltsangabe gibst, sondern auf die Probleme und Wünsche der Leser eingehst.

„Keinen Bock mehr auf Hungerlohn? Heute zeige ich dir, wie du dein Gehalt innerhalb von 6 Monaten um 50 % steigern kannst.“

„Dein Hund hört nicht auf dich? Nach dem heutigen Artikel wirst du wissen, wie du aus deinem Hund einen treuen und gehorsamen Freund machen kannst.“

Mache keine Zusammenfassung.

Sondern gebe eine Vorschau auf die Lösung des Problems.

Regel Nr. 3: Schenke kein Geschenk zweimal

Blogartikel Struktur und Aufbau - Regel 3

Stell dir vor, dein Partner schenkt dir jedes Jahr zum Geburtstag immer wieder einen grünen Pullover.

Du fandest bereits den ersten Pulli doof. Doch jetzt, wo du schon sieben hast, fühlst du dich veräppelt.

Du fragst dich: „Hat mein Partner nicht mehr zu bieten als grüne Pullover?“

Leider gibt es auch zahlreiche Blogger und Autoren, die ihren Lesern innerhalb eines Textes zahlreiche grüne Pullover schenken:

Sie wiederholen einen Gedanken.

Wenn du einen wichtigen Punkt oder Gedanken mehrmals aufführst, dann fühlt sich der Leser für dumm verkauft.

Kennst du dieses Gefühl? Du liest ein Buch und hast das Gefühl, dass dem Autor die Ideen ausgehen?

Böse.

Ganz böse.

Das führt dazu, dass du anfängst Passagen zu überspringen und abzuschalten.

Du schaltest in den Autopiloten.

Das musst du bei deinen Lesern um jeden Preis verhindern.

Merke dir: Der Leser ist nicht dumm.

Dein Leser checkt alles beim ersten Mal – und wenn nicht, dann kann er selbst zurückgehen und es nochmal nachlesen.

In einer Unterhaltung kannst du deine Meinung mehrmals immer wieder betonen – in einem Text wirkt das so, als ob du nichts anderes zu sagen hast und nur den Text aufblähen willst.

(Oder du hast ein Kurzzeitgedächtnis und vergisst selbst, was du vor drei Absätzen geschrieben hast.)

Wenn du deine Leser nicht verscheuchen willst, dann halte dich an diese Regel:

Jeder Gedanke muss einzigartig sein – so wie jedes gute Geschenk einzigartig ist.

Wie du deinen Lesern immer wieder einen neuen Gedanken präsentierst

Die Lösung, um sich nicht zu wiederholen, ist recht einfach:

Kürzen.

Gehe durch deinen Text und unterziehe jeden Satz einem Test:

„Wenn ich diesen Satz weglasse, wird mein Text dann noch verständlich sein?“

Wenn die Antwort ja ist, dann streiche den Satz.

Das tut weh, ich weiß.

Aber Rosen müssen auch beschnitten werden, um noch schöner zu blühen.

Beschneide deinen Text und er wird schöner als zuvor.

Deine Leser werden es dir danken.

Kürze ist die hohe Kunst eines guten Schreibstils.

Spannende Blogartikel-Struktur als Heilmittel

Ich habe dir die Medizin gegen Scaneritis gegeben.

Nun liegt es an dir, ob du sie auch verwendest.

Viel Erfolg und bleib „gesund“.

Dein Walter

PS
Hilf mit, die Scaneritis zu bekämpfen und teile das Serum auch mit deinen Freunden.


  • Ich habe Deinen Artikel tatsächlich bis zu Ende gelesen, wenn auch nur, um zu sehen, ob er weitere Fehler wie den in der Überschrift enthält.

    Sorry, aber diese Art von Köderprogramm ist mittlerweile derart weit verbreitet, dass ich solche Artikel normalerweise sofort wegklicke. Damit schütte ich möglicherweise das Kind mit dem Bade aus, aber ich bin allergisch gegen diese Art von Werbung. Sie tut nämlich genau das, was Du zu vermeiden trachtetst, sie erklärt den Leser für dumm.

    Wenn ich einen guten Text habe, dann findet dieser auch seine Leser, wenn es unter Umständen auch etwas länger dauert, bis „Content“ aufgebaut ist. Wenn ich Informationen oder Unterhaltung suche, dann macht mich diese Art von Drum-rum-Bla-Bla eher aggressiv, als das es mein Interesse weckt.

    • Hi Angelika,
      Wo ist denn ein Fehler in der Überschrift? Vielleicht bin ich betriebsblind, aber ich sehe keinen.

      Was meinst du mit „Köderprogramm“? Die Überschrift? Den Artikel? So oder so hat mein Köder doch funktioniert, oder? 😉

      Und nein: Ein guter Text findet den Leser nicht von allein. Da muss ich dir leider widersprechen.

      LG, Walter

      • Hallo Walter,

        auch ich habe den Köder geschluckt und bis zum Ende gelesen. 🙂
        Und ich muss Angelika ein wenig Recht geben. Allerdings gleichsam auch Dir.

        Das, was Angelika mit „Köderprogramm“ bezeichnete, ist die von Dir vorgschlagene Form des Spannungsaufbaus. Statt zu Sache zu kommen, lieber nochmal einen Schwank dazwischen schieben. Ja, das ist erprobt und funktioniert. Und auch gleichzeitig nein, das hat schon so einen Bart, dass es die Scaneritis eher fördert, als denn reduziert.

        Du kommst auf den zentralen Punkt ja auch zu sprechen: Zeit. Kaum ein Leser hat heute noch Zeit. Schon gar nicht, um sich mit Themen auseinander zu setzen, die außerhalb des Bereichs liegen, wegen dem er den Artikel ursprünglich aufgerufen hat. Ein „…dazu kurz eine Geschichte…“ führt da wirklich eher zu unbewussten Aggressionen, als zur Freude am weiteren Lesen.

        Aber alles in allem kann ich Deinen hier im Blog geschilderten Ansatz voll unterschreiben. Wenn mehr Texte nach dem Muster aufgebaut wären, würde vieles Lesen mehr Freude bereiten.

        Daher an dieser Stelle einfach mal ein Danke für Deinen Blog! Mach weiter so! 🙂

        Viele Grüße

        Clark

        • Hi Clark,

          Ich verstehe euren Einwand mit den Schwenkern.

          Klar haben Leser heute sehr wenig Zeit zum Lesen.

          Aber: Solche Leser, die nicht die Zeit haben, meinen Text zu lesen, möchte ich sie überhaupt erreichen?

          Was soll ich mit flüchtigen Scannern anfangen? Sind sie meine Zielgruppe? Sie kommentieren nicht, sie teilen die Artikel nicht, sie interagieren nicht.

          Ich nehme also ganz bewusst das Risiko in Kauf, dass bestimmte Menschen mich nicht lesen.

          Ich will nicht allen gefallen – nur den Richtigen.

          Danke für dein Lob und die Klarstellung mit dem Köder – das habe ich so noch nicht gesehen.

          Und wie oben erwähnt: Klar kann man den Text so aufblähen. Aber wenn man es richtig macht, dann ist der Leser nicht genervt, sondern unterhalten – und zwar mehr als 8 Sekunden.

          LG, Walter

      • Hallo Walter

        Vielen Dank für deinen Blog!

        Hilfreiche Tipps!

        Bei einem Teilpunkt muss ich allerdings einhaken:

        Der Punkt 2 „Stelle eine Antithese auf“ bei „Wie du den Leser zappeln lässt“ ist eine weit verbreitete Methode, um irgendeine Methode zu verkaufen, sei es um mehr Geld zu verdienen, einen super Sixpack zu bekommen oder die beste Taschenlampe aller Zeiten zu erwerben. Zu weit verbreitet. Der Bart ist nicht lang, sondern ab. Ganz ab. Und ja: Die Lösung ist meist nur gegen einen Geldbetrag zu bekommen. Ich fühle mich bei solchen Texten – Verzeihung – „verarscht“ (Mann, komm endlich zum Punkt!) und scrolle meistens sofort zur „Lösung“. Sprich: Vergebene Mühe und Zeit des Texters.
        Kurz: Aus meiner Sicht fällt dieser Tipp unter die Kategorie „Lieber-nicht-Mehr“ …

        ElG
        Béla

    • Was mich erstaunt, sind Leser, wie du es bist. Offensichtlich immer auf der Suche nach Fehlern. Das geht sogar soweit, dass du einen Artikel, der dich aggressiv macht, bis zum Ende liest. Furchtbar.
      Wenn man Kritik äußert, dann kann man das sicher auch auf Augenhöhe machen und nicht so dahin rotzen, wie du es hier tust.
      Sehr schade, wirklich.

      • Hi Anja,
        Danke für die Schützenhilfe 😉 Ich denke Kritiker sind wichtig und gut.Sie sind sehr aufmerksame Leser und sagen ihre Meinung ungeniert. So kann ich viel lernen und daran wachsen.

        Ich nehme das Gute mit. Das Schlechte vergesse ich 😉

        LG, Walter

  • Wow, mal wieder ein großartiger Artikel! Und ich finde, das lässt sich nicht nur auf Blogartikel übertragen, sondern eigentlich auf jeden Text! Ich hab mich beim Lesen Deines Artikels selbst dabei ertappt, dass ich insbesondere die Sache mit dem Kürzen immer wieder zu wenig beherzige. Dabei heißt es doch so schön: „Kill your darlings“. Wenns nix zur Sache beiträgt, muss man es weg lassen, egal wie weh es tut. Danke!

    PS: Schön, dass Du wieder da bist!

    • Hi Martina,

      Klar gilt das auch für jeden Text, aber ich versuche hier nicht „jeden Text“ der Welt zu verbessern, sondern in erster Linie Blogartikel 😉

      Ich bin auch froh, dass ich wieder da bin. Der Urlaub hat gut getan 🙂

      LG, Walter

  • Hallo Walter

    Ein schöner Beitrag, der viel Wahres hat.

    Doch einen Blogartikel nach diesen Regeln zu schreiben, ist eine Kunst, die geübt werden will. Ansonsten läuft man Gefahr, die Artikel unnötig aufzublähen.

    Zwar sagt schon Stephen King: „Töte deine Lieblinge“. Doch das mit dem Kürzen ist einfacher gesagt als getan… 🙂

    Liebe Grüsse
    Gian

    • Hi Gian,
      Klar ist die Gefahr da, den Artikel aufzublähen, da gebe ich dir voll Recht. Aber das heißt nicht, dass man es nicht versuchen sollte. Man kann sich ja auch mit Salz vergiften. In der richtigen Dosis und richtig angewandt gibt es dem Text den Geschmack.

      Und ja: Kürzen ist wirklich nicht jedermanns Stärke. Vor allem, da man als Blogger keine Zeichenlimits hat 😉

      LG, Walter

  • Hallo Walter,
    der Fehler ist im zweiten Satz. Du hast das „an“ vergessen.
    Ich hab den Text aber nicht deswegen zu Ende gelesen, sondern weil du wie immer ein Thema aufgreifst, was mich grade beschäftigt. Danke dir dafür von Herzen!
    Womit ich mich grade rumschlage ist folgende Frage:
    Wie genau und ausführlich muss ich meine Message schildern, ohne dass sich meine Leser langweilen oder zu sehr an die Hand genommen fühlen, wenn ich gleichzeitig sicher sein will, dass der Punkt auch verstanden und behalten wird?
    Schwierig, oder?
    Viele Grüße von Verena.

    • Hi Verena,

      Danke für den Hinweis. Wird korrigiert.

      Wie genau man seine Message formulieren soll?

      Mit einem Satz ohne Komma.

      Wenn du es schaffst, deine Kernbotschaft mit einem Satz zu formulieren, der kein Komma braucht, dann ist die Botschaft klar.

      LG, Walter

      • Sorry, aber das war nicht der Punkt. Sondern die Gratwanderung: wie schreibt man einerseits deutlich, andererseits aber nicht zu didaktisch.

  • Walter und Angelika, ihr habt beide nicht Unrecht.

    Walter, du schreibst in deinen Texten oft über Vermarktung, deine Website wirbt auf der Startseite „mit dem Schreiben echtes Geld zu verdienen,“ daher verwundert es nicht, dass die genannten „Regeln“ aus einem Marketing-Ratgeber stammen könnten.

    Aber, Punkt für Angelika, es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einem guten Blog-Artikel und Werbung, die sich als ein Artikel tarnt.

    Ein guter Blog-Artikel kann, muss aber keine Werbung einbauen. Offensichtliche Werbung ist nicht einmal das Problem. Ist der Artikel gut und am Ende wird ein Link für ein Produkt angeboten, klicke ich als Leser drauf, weil ich weiß, die Autoren müssen auch irgendwie leben.

    Problematisch ist schlecht versteckte Werbung, die sich als Artikel ausgibt und Artikel, die den Eindruck machen, dass sie nur geschrieben wurden, damit sie Leser auf die Seite locken, denen Werbung eingeblendet werden kann.

    Um bei der Sache zu bleiben, Walter, dein Artikel macht auf mich den Eindruck, dass es darin rein um Absatzförderung geht, nicht um Inhalt, weil:
    1. Den Leser zappeln lassen (?) Walter, ich dachte es geht um einen Blog, nicht darum, eine Werbeanzeige zu schreiben. Von den ethischen Konsequenzen dieser Haltung abgesehen, den Leser bei einem Blog-Artikel zappeln zu lassen führt erst recht zum Scannen.
    2. Der Artikel befolgt seine eigenen Regeln nicht. Das von dir genannte Stichwort heißt kürzen. Ergo auch keine Zappel-Geschichten. Hätte Angelika nicht so eine gute Antwort geschrieben, hätte ich den Artikel kein zweites Mal angeschaut. Alles ab deiner ersten Regel habe ich mehrfach nur scannen können, da viel zu Platz- und Textintensiv.
    3. „Ein Versprechen machen,“ macht die Werbung und hält es selten ein.

    Weiterhin habe ich den Eindruck, dass der Artikel nicht mit Herz geschrieben ist:
    4. Rechtschreibfehler innerhalb der ersten 50 Wörter. Text scheint dem Autor selbst nicht wichtig zu sein.
    5. Vielleicht ist es ein technisches Problem. Wenn ich auf den Link aus deiner Mail klicke, zum Text gelange und innerhalb von ein paar Sekunden Werbung für dein Ebook erscheint, verfestigt sich mein Eindruck, dass es dir mehr um Werbung geht. Durch das Ebook hast du doch bereits die Mail-Adressen deiner Leser.

    Zusammengefasst, auf mich macht es den Eindruck, dass in diesem Artikel Regeln aus Werbung und Marketing eins zu eins auf Blog-Artikel übertragen werden. Das ist einerseits keine besondere Eigenleistung, andererseits verkauft es die Leser für dumm, die laut Text „nicht dumm“ sind.

    Ich nehm’s dir nicht krumm, du hast in vielen Artikeln gute Gedanken, nützliche Ideen und du hast sie immerhin aufgeschrieben. Du machst es von Berufs wegen, hast also eine Deadline für neue Artikel.
    Manchmal aber wirken sie paradox, wenn sie ihre eigenen Regeln nicht im Ansatz befolgen.

    Du bist bereits sehr authentisch, das rechne ich dir hoch an. Aber lass ruhig die Hosen runter, es geht nicht nur um gut geschriebene Artikel: es geht auch um Marketing.

    Grüße
    Falk

  • Hallo Walter

    Danke für den Artikel. Deine Schreibkunst ist wirklich sehr gut und fesselt mich immer wieder. Für mich ist das dein Köder. Er lässt mich alles bis zum Ende lesen auch wenn mir der Text nicht so gut gefällt. Natürlich sollte man nicht immer gleich zum Punkt kommen. Und kleine Geschichten dazwischen können auch unterhalten sowie den Text etwas auflockern. Ich finde jedoch diese sollten nicht allzu lang sein. Denn der Leser will ja vor allem eines: Eine Lösung für sein Problem. Das predigst du ja auch immer wieder 🙂

    LG
    Dominic

    • Hi Dominic,

      Bei technischen Fragen und Problemen, sollte man nicht rumdödeln, klar.

      Aber es gibt Themen, die gehen etwas tiefer wie „Berufung finden“ „Was soll ich studieren“ „Wie erziehe ich meine Kinder“.

      Wenn man solch sehr persönlichen Themen ohne Geschichten und emotionale Verbindung zum Leser schreibt, dann passiert eins: der Leser verbindet sich nicht mit dem Text und handelt nicht nach den gegeben Tipps.

      Aber das ist es doch, was ein guter Blogartikel will: den Leser zum Handeln zu bringen.

      LG, Walter

  • Guten Abend,
    habe versucht, den Text zu scannen. Ging gut (ca 2 Min. Lesezeit ). Grund: Inhalt war für mich kalter Kaffee. Das war meine Erkenntnis: Wir scannen auch, wenn wir viel vom Thema kennen- da muss der Artikel gar nicht schlecht sein. Insofern: wenn Angelina Jolie reinkommt, kann sie auch nackt sein und ist trotzdem fesselnd- denn man(n) weiß nicht, womit sie einen überrascht- und erwartet Qualität und bleibt daher am Ball…Will sagen- Topp- Qualität kann auch nackt kommen- Normalität kann sich noch so verkleiden- wird aber immer schneller durchschaubar.
    Eigentlich logisch bei genauem Nachdenken.
    LG A. Rauf- Vater

    • Danke für den tollen und inspirierenden Artikel, Walter!

      Ich muss sagen, über ein paar der Kommentare wundere ich mich ein bisschen.

      Geht es hier nicht um den Inhalt des Blogbeitrags? Da finde ich Kommentare wie „Rechtschreibfehler innerhalb der ersten 50 Wörter. Text scheint dem Autor selbst nicht wichtig zu sein.“ ziemlich unangebracht. Und warum finde ich dann in jenem Kommentar ebenfalls Zeichen- und Rechtschreibfehler? Hm. Nebenbei: Wer macht denn niemals Fehler?

      Zweitens: Man kann einen Vergleich auch überstrapazieren. Nichts gegen Angelina Jolie, aber nicht nackt zu einem Date zu kommen bezieht sich hier wohl nicht auf Filmschönheiten, sondern vielmehr auf ein positives Gespannt-Sein – auf Neugier. Oliver Schütte hat, wie ich finde, sehr passend geschrieben, dass die großen Geschichtenerzähler Meister in der Entwicklung der Neugier sind.

      Dazu eine letzte Anmerkung: Wenn mich ein Text anspricht, ich ihn weiterlesen will, neugierig auf das Fazit bleibe, dann ist der Text für mich nicht zu lang. Meines Erachtens hat „Kürze“ daher weniger mit der Anzahl der Wörter zu tun als vielmehr damit, dass ein Text auf überflüssige, wiederholende, langweilige Passagen und Wörter hin entrümpelt ist.

      So, das wollte ich mal loswerden, danke für die Aufmerksamkeit.

      Grüße und einen schönen Tag,
      Jörn

  • Es ist doch ganz einfach: Ob es ein Blog-Artikel ist, eine Reportage oder ein Buch…… Wenn es gut geschrieben ist, dann mach das Lesen Freude.
    Es gibt interessante Themen/ Geschichte, die sclecht geschrieben sind und es gibt wniger gute Themen/ Geschichten, die richtig gut geschrieben sind.
    Rate mal – egeal wie gut das Thema oder die Geschichte, – einen schlechten Schreibstil halte ich einfach nicht aus.

  • Hallo Walter,

    als ich angefangen habe Artikel zu schreiben, habe ich das intuitiv so gemacht wie du hier sagst.
    Doch dann entdeckte ich SEO und die Keywords – und vorbei war es mit dem spannenden Artikel schreiben. Dieser Keywordmist verändert meine ganze Schreibe … Und überhaupt: Google ist ein Arschloch 😉

    Wat nu ??
    Beste Grüße

    • Was nun?
      Zuerst spannend schreiben und Links dadurch bekommen.
      DANACH erst für Google Optimieren.
      Denn ein reiner SEO-Text voller Keywords bekommt keine LInks von außen, weil er einfach nur grottig geschrieben ist.
      Mein Rat: Schreibe niemals mit Google im Kopf. Schreibe immer für deinen Leser. Erst im zweiten Schritt wird für Google optimiert.
      LG, Walter

  • Hi Walter,

    durch deinen Artikel habe ich auf zwei Ebenen Tipps erhalten, wie ich Artikel spannender gestalte.

    Die erste Ebene: Indem du ganz konkrete Beispiele genannt hast, die anwendbar und umsetzbar sind.

    Die zweite Ebene: Indem ich das Erlernte erlebe und zwar direkt als Leser ganz konkret an deinem Text als Beispiel.

    Damit hast du in ziemlich genialer Weise Techniken aus den Lern-Theorien angewandt und für mich als Leserin das neue Wissen direkt verankert.

    Ich danke dir.

    Liebe Grüße

    Claudia

  • Hallo Walter,

    ich habe seit dieser Woche auch einen Blog und hier schon sehr viele hilfreiche Tipps dafür bekommen (ich merke, es kommt eine Menge Arbeit auf mich zu. ?). Allerdings muss ich zugeben, dass ironischerweise dies hier der erse Artikel war, den ich irgendwann nur noch gescannt habe. Nichts desto trotz finde ich den Tipp an sich ganz gut und ich werde versuchen, meine Artikel spannender aufzubauen. Vielen Dank für die Anregungen! ?

    • 😀
      Der Text ist durch die Überschrift in Zusammenarbeit mit den Zwischenüberschriften durchaus scannbar…
      Ich habe auch nie behauptet, dass bei mir nichts scannbar ist. Ich bemühe mich bloß eben keine Imbissbude zu sein. Dass Menschen trotzdem schnell rein und raus gehen, kommt auch in Restaurants vor.
      LG, Walter

  • Hey Walter,

    Toller Artikel! Ich bin so leicht ablenkbar, aber deine Texte ziehen meine Aufmerksamkeit jedes mal mit voller Kraft an sich. Der Aufbau der Texte ist zwar simpel, hilft jedoch den meisten sich bis zum Ende durchzuschlagen. Dass manche Kritik daran äußern, liegt wahrscheinlich auch daran, dass jeder nach anderen Informationen sucht und diese, je nach Thema, verschieden verpackt werden sollten. Meine Artikel sind überwiegend 1000 Wörter lang und ich tue mich auch schwer damit, sie zu kürzen. Ich habe einfach Angst wichtige Themen auszulassen, die meinen Lesern hilfreich sein können. In Artikeln, indem ein Thema schnell auf den Punkt gebracht werden kann, ist dieser Tipp gut anzuwenden. Bei wissenschaftlichen Artikeln oder komplexeren Themen, weiß ich jedoch nicht ob diese Struktur so gut wäre anzuwenden. Schließlich ist so ein Artikel schon lang und würde durch die Geschichte noch weiter hinausgezögert werden. Vielleicht hast du auch dazu noch ein paar Tipps parat oder einen Blog Post? Wäre auf jeden Fall lesenswert! LG Nicole

    • Hi Nicole,
      Bei wissenschaftlichen Artikeln gelten ganz andere Regeln als die, die ich hier gebe. Ich gebe Tipps für Menschen, „die gelesen werden möchten“. Wissenschaftliche Artikel richten sich dagegen an ein sehr enges Publikum und da hat auch jede Zunft ihre eigenen Regeln (die Juristen haben ja den Gutachten-Stil usw.). Geschichten und besondere stilistische Mittel haben da selten Platz 😉
      Wenn du allerdings ein „trockenes“ Thema hast, aber alle Freiheit zum schreiben, dann empfehle ich dir diesen Artikel:
      https://www.schreibsuchti.de/2016/01/22/spannender-blogger-langweilige-nische/

      LG, Walter

  • Hey Walter,
    zu diesem Thema gibt es ja die unterschiedlichsten Kommentare. Also ich habe deinen Beitrag wie gebannt gelesen. Ich liebe es, dass bei dir jeder Absatz einen interessanten Punkt hat. Und vor allem liebe ich es, dass deine Absätze so kurz sind. Da kann ich mit selbst noch eine Scheibe abschneiden.
    Die Sache mit der Geschichte finde ich gut, solange sie den Leser weiterbringt und spannend geschrieben ist. Ich hatte bei deinem Beitrag absolut nicht das Gefühl einfach hingehalten zu werden.
    Deinen Vergleich in einem der Kommentare mit „Was soll ich studieren“ oder „Wie erziehe ich meine Kinder“ finde ich sehr passend. Um jemandem meine Meinung zu sagen kann ich ihm in einem Satz sagen was ich denke. Aber damit er danach so denkt wie ich, muss ich überzeugen. Und Überzeugen ist Arbeit. Dafür muss ich ihn an das Thema heranführen und auf seine Denkweise Einfluss nehmen. Das braucht Zeit. Dass dabei mehr Text entsteht ist ein guter Nebeneffekt. 🙂
    Vielen Dank für deine interessanten Beiträge!
    Samuel

  • Meiner Meinung nach, widerlegt dieser Artikel seine eigenen Thesen, denn ich habe ihn nur überflogen. Warum? Weil es in Texten wie diesem um Vermittlung von Sachinformationen geht, nicht um spannende Geschichten. Wenn ich unterhalten werden will, greife ich zu Belletristik.

    Wenn ich einen Fachartikel lese, erwarte ich weder Spannung, noch Geschwätz, sondern Übersichtlichkeit, Infos auf den Punkt und Erklärungen eventueller Schwierigkeiten. Da wäre hier eine weit vorne postierte Liste mit Stichpunkten ideal gewesen. Stattdessen wird alles mit Inhalt und Formatierung (riesige Schrift, nach jedem Punkt ein Absatz) künstlich in die Länge gezogen, sodass man gar nicht überblicken kann.

    Das Grundproblem ist aber: Viele Blogger schreiben Texte nur, um Texte zu schreiben (Content). Da kann schon kaum was Gescheites bei rauskommen, denn die Form orientiert sich nicht am Inhalt, sondern der Inhalt an der Form. Und die Intention ist nicht Wissensvermittlung oder Unterhaltung, sondern Marketing und Geldverdienen. Alles sehr bedenklich!

    • Ich glaube schon, dass Wissensvermittlung sehr gut mit Geschichten und Spannung passieren kann.

      Jede gute Doku zeigt dir ja auch keine Statistiken oder Graphen, sondern zeigt dir Gesichter und Menschen. Anhand von Geschichten und Beispielen lernen wir viel besser und merken uns die Dinge.

      Um Pulitzer frei zu zitieren: Schreibe bildhaft, dann werden sie es im Gedächtnis behalten.

      Außerdem: Nur, weil einige Blogger Geld mit ihrem Blog verdienen, muss man ihnen nicht sofort die Wissensvermittlung absprechen. Geld verdienen ist nichts schlechtes.

      Ganz nebenbei: Jeder Journalist verdient auch mit Schreiben Geld. Sie müssen auch täglich etwas produzieren. Sie sind damit schlecht? Vermitteln sie deshalb kein Wissen? Dürfen sie nicht unterhaltsam sein?

      Bedenklich finde ich, dass du denkst, dass du DAS GRUNDPROBLEM vieler Blogger zu kennen scheinst, obwohl du offensichtlich keine Ahnung vom Bloggen hast.

      LG, Walter

    • Hallo m,

      soll ich Dir was sagen?
      Das hier ist der einzige Blog, den ich regelmäßig lese.

      Warum?

      Weil meine Scaneritis bisher chronisch war.
      Plötzlich habe ich aber einen Artikel bis zum Ende gelesen. Den 2. und 3. dann auch.

      Die Frage ist doch: Warum?
      Die Antwort finde ich hier regelmäßig in der richtigen Dosierung.

      Und eins noch:
      Die Diskussion ums Geld kann ich nicht mehr hören.

      Fakt ist: Offline zahlst Du in allen möglichen Lebensbereichen für weniger Leistung oft höhere Preise. Und ist es nicht gerade das aufgeräumte Layout mit den dezenten Hinweisen auf die Monetarisierung, die hier so erholsam sind?

      Gut, von diesem Pop-up Dreck mal abgesehen. Aber immerhin kann ich einen Text im Block lesen, ohne Werbebanner dazwischen.

      So: Jetzt reichts aber. Muß noch bissl Geld verdienen…

      VG
      Mario

      • Hi Mario,
        Danke für die Schützenhilfe. Der Artikel ist ja schon was älter und ich hatte diesen kritischen Kommentar schon vergessen… Du hast mich daran erinnert, was gut ist.

        Denn was wären wir ohne unsere Kritiker? Ein bedeutungsloses Nichts im Land der Gleichgültigkeit.

        Das mit dem Popup ist umstritten, aber die Zahlen sprechen für sich 😉

        LG, Walter

  • Ein großartiger Artikel, besonders wenn ich an das denke, was Sie geschrieben haben, fällt mir der Unterricht in Pädagogischer Psychologie ein, den ich genommen habe. Unvollendete Erfahrungen müssen immer abgeschlossen werden. Neugier ist einer der ersten Schritte dazu.

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