September 2

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Für alle, die ihr Buch schreiben wollen: Inspirierendes Interview mit Marcus Johanus

Eigenes Buch schreiben - Braucht man Talent zum Schreiben?

Soll ich dir ein Geheimnis verraten?

Meine Eltern haben mir nach meiner Geburt einen Schreibratgeber in die Wiege gelegt. Mein erstes Jahr schlief ich mit Gothes Faust unter meinem Kissen. Und Shakespeare habe ich schon mit drei Jahren gelesen.

– Ironie Ende –

Natürlich war ich ein Kind wie jedes andere. Natürlich waren große Schriftsteller keine Wunderkinder.

Ich bin der Meinung, dass man kein Talent zum Schreiben braucht. Es kommt auf andere Dinge an.

Auf welche?

Das erfährst du in meinem Interview mit Marcus Johanus.

Marcus ist Buchautor und schreibt auf seinem Blog über das Schreiben. Im Interview verrät er seine besten Schreibtipps, seine Schreibsoutine und wie er es geschafft hat, einen Blog mit mehr als 5.000-Email-Abonnenten aufzubauen.

Genieße das Interview:

Marcus, wie bist du zum Schreiben gekommen? Wie sah dein Weg aus?

Am Anfang stand meine Begeisterung für Superheldencomics als kleiner Junge. Ich verschlang die amerikanischen Comic-Hefte wie andere Kleinkinder Bilderbücher. Ich konnte nicht lesen, aber die Dynamik der Bilder nahm mich gefangen und ich dachte mir die Geschichten dazu einfach selbst aus.

Das hat nicht nur meinen Literaturgeschmack geprägt, sondern auch mein Verhältnis zum Konsum von Geschichten. Alles, was ich lese, sehe oder höre, spinne ich in meinem Kopf irgendwie weiter oder ich entwickle alternative Geschichten.

Marcus Johanus
Marcus Johanus – Buchautor und Blogger

Daraus entstehen dann im Prinzip meine Romane.

Wie viele Bücher hast du schon geschrieben?

Ungefähr ein halbes Dutzend. Da lässt sich schwer sagen, weil ich an vielen Dingen mehr oder weniger gleichzeitig arbeite.

Im Prinzip schreibe ich seit 2009 pro Jahr ein Buch.

Was waren/sind die größten Hindernisse auf diesem Weg?

Das größte Problem beim Schreiben ist für mich die neue Idee.

Während ich an einem Text arbeite, kommen mir ständig Ideen für neue Projekte. Es hat mich bestimmt zehn Jahre gekostet, endlich die Angewohnheit abzulegen, immer wieder neue Ideen zu verfolgen, statt an den alten weiter zu arbeiten, bis sie fertig sind.

# Lesetipp: 26 Mittel gegen die Schreibblockade

Was ist dein größter Tipp für Menschen, die ihr Buch eigenes Buch schreiben wollen?

Dranbleiben.

Der veröffentlichte Autor unterscheidet sich vom unveröffentlichten meiner Meinung nach nicht durch Talent, Know-How oder sonst was, sondern schlichtweg durch das Durchhaltevermögen.

Es gehört eine hohe Frustrationsschwelle dazu, unter Umständen jahrelang zu schreiben, ohne zu wissen, ob und wann man veröffentlicht wird. Die muss man entwickeln und an sich glauben.

Das geht natürlich nicht ohne Unterstützung. Zum Durchhaltevermögen gehören unbedingt Leute, die einem dabei helfen, nicht aufzugeben. Die muss man sich im Zweifelsfall suchen, wenn man sie nicht schont hat.

Wie sieht deine Schreibroutine aus?

In der Regel stehe ich so zwischen vier und fünf Uhr morgens auf. Dann koche ich mir nen Kaffe, trinke viel Wasser und tippe los, bis alle anderen im Haus wach werden.

Mein aktuelles Projekt lasse ich stets im Hintergrund offen auf meinem Laptop, den ich praktisch immer bei mir habe. Ergibt sich am Tag irgendwo und irgendwann eine Pause, klappe ich ihn auf und tippe so schnell und so viel ich kann.

In ruhigeren Phasen – Ferien, Urlaub, Wochenende – wird dann überarbeitet.

# Lesetipp: 15 Tipps für mehr Zeit zum Schreiben

Wenn du nur einen Schreibtipp geben dürftest, welcher wäre das?

Überarbeiten.

Gute Texte entstehen nicht beim ersten Entwurf. Vor dem dritten, vierten Entwurf ist keiner meiner Texte lesbar. Und ich vermute, dass es den allermeisten Autoren auch so geht.

Hast du einen Mentor? Wer hilft dir in schwierigen Zeiten?

Mein bester Freund und Writing Buddy Axel Hollmann ist in vielerlei Hinsicht mein Mentor.

Im Gegensatz zu mir ist er zum Glück kein Geisteswissenschaftler und hat deswegen einen wunderbaren Blick für die Realität und für das Pragmatische. Das rettet mich sehr oft aus meinem Wolkenkuckucksheim. Außerdem profitiere ich sehr von seiner großen Allgemeinbildung. Besser als Google.

Welche Veränderung musste vor allem im Kopf stattfinden? Ist ein richtiges Mindset wichtig?

Für mich war die Erkenntnis wichtig, dass Schreiben nichts ist, was Inspiration oder Muße erfordert, sondern schlichtweg Übung und Motivation.

Wenn man beim Schreiben was erreichen will, muss man täglich schreiben, ganz gleich, ob einem gerade viele tolle Ideen im Kopf herumspuken oder ob da nur gähnende Leere herrscht.

Mir half eine Erfahrung in einem Schreibseminar: Dort wurden wir gezwungen, nach nur kurzen Brainstormings verschiedene Texte zu verfassen: Kurgeschichten, Gedichte, Dialoge, Tagebucheinträge … Die Themen waren – wenn überhaupt – nur sehr, sehr lose vorgegeben. Zu meiner großen Überraschung schaffte ich es, an einem Wochenende viele kurze Texte zu schreiben. Ohne, dass ich zuvor auch nur den Hauch einer Idee gehabt hatte. Das Seminar hat mir gezeigt: Ideen kommen vor allem beim Schreiben.

Wenn man will, kann man wirklich immer schreiben. Klick um zu Tweeten

Wie hast du es geschafft, einen so bekannten Blog aufzubauen (mehr als 5.000 E-Mail-Abonnenten)?

Ich denke, es sind die Klassiker des erfolgreichen Bloggens:

1. Beständigkeit: Ich veröffentliche seit Jahren jeden Samstag einen neuen Artikel. Manchmal, eher selten, auch mehrmals die Woche. Aber auf den neuen Artikel am Samstag können sich meine Leser verlassen.

2. Authentizität: Ich schreibe über das, was mich persönlich am meisten bewegt und interessiert: Schreiben von Unterhaltungsromanen. Und das auf eine Weise, die mir am meisten liegt: Kurz, auf den Punkt, nicht allzu ernst, aber – hoffentlich – auch nicht zu albern.

3. Substanz: Ich frage mich bei jedem Artikel, was die Erkenntnis, die wichtige Information oder einfach der Unterhaltungswert für den Leser sein könnte. Ich schreibe also nicht für mich. Jedenfalls nicht in erster Linie.

4. Interaktivität: Ich versuche auf jeden Kommentar, auf jede E-Mail, jede Erwähnung bei Facebook und Twitter usw. zu reagieren. Und wenn es nur ein kurzes Danke ist. Manchmal gehen mir Dinge durch die Lappen. Das tut mir sehr leid. Aber bei so vielen Followern auf so vielen verschiedenen Plattformen ist es schwierig, nicht den Überblick zu verlieren, vor allem, wenn man die Sache nicht hauptberuflich macht. Ich bilde mir aber ein, dass die wenigen Leser, die ich leider mal vergesse, mir das vielleicht verzeihen, wenn sie sehen, dass ich normalerweise nichts unbeantwortet lasse.

5. Spaß: Mir macht das Bloggen einfach Spaß. Ich würde jedem davon abraten, allein unter Marketinggesichtspunkten zu bloggen. Natürlich nutze ich meinen Blog auch dazu, Werbung für mich als Autor und für Bücher zu machen. Alles andere wäre gelogen. Aber ich würde es trotzdem nicht tun, wenn mir nicht auch das Bloggen selbst Spaß machen würde. Ich vermute, Leser merken sehr schnell, ob man ihnen nur was verkaufen will, oder ob das Bloggen selbst auch vom Autor wichtig genommen wird.

An welchem Schreibprojekt arbeitest du gerade?

Wie gesagt, an vielen. Zur Zeit aber am intensivsten an der Fortsetzung zu „Tödliche Gedanken“, meinem Debütroman.

Daneben sind noch zwei andere Romanprojekte im Fokus, die ich möglichst bald bearbeiten will.

Wo kann man deine Bücher kaufen? Sind es eBooks oder auch gedruckte Bücher?

Tödliche Gedanken, ein paranormaler Thriller, erscheint am 11.09.2015 im Ullstein-Verlag, unter dem Imprint Midnight. Das bedeutet, dass es den Roman vorläufig nur als E-Book geben wird. Dafür allerdings auf allen erdenklichen E-Book-Plattformen, also natürlich bei Amazon, bei Thalia, im iBooks und Google play Store usw.

Hier geht es zum Buch.

Vielen Dank für deine Antworten.

Ich muss mich für das Interview bedanken.

PS

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  • Jeder hat wohl seine eigenen Methoden, wie er denkt, die besten Texte zu schreiben. Aber manchmal führt kein Weg daran vorbei, sich für andere Methoden zu öffnen. Darum: Danke für dieses Interview.

  • Lieber Groß-Ar(t)-Tiger, das ist ein sehr interessantes Interview mit Marcus. Ich denke, jeder `Schreiberling` hat seine eigene Art, die Buchstaben fließen zu lassen. Woher meine Buchstaben kommen, weiß ich bis heute nicht. Wenn es ein Überbewusstsein gibt, -und es scheint wirklich so zu sein-, was wir unbewusst anzapfen, wenn wir zum Kreativen werden, dann würde ich sagen, ES ist dasjenige, das durch Dich wirklich schreibt. Es ist nicht das Wesen Mensch, das Deinen Namen trägt. Um aber in dieser, unseren Welt zu bleiben; Ich bin davon überzeugt, dass ein jeder von uns wunderbare Bücher, Geschichten, Blogs, etc. schreiben kann. Die wirkliche Arbeit scheint mir eher zu sein, nach getaner (Schreib-) Arbeit das Marketing zu bedienen. Heute ist es nicht mehr nötig, einen Verleger zu haben. Aber es ist mehr als nötig, für die Arbeit, die man mit soviel Herzblut getan hat, die Grundlagen für den Verkauf zu schaffen. In meinem ebook `Im Bett mit dem berühmtesten Detektiv der Welt` beschreibe ich, wie wir durch unsere Gedanken, durch unser gesamtes Mindset, unsere eigene Welt kreieren. Es ist keine Fantasy-Story, sondern von den Quantenphysikern, Neurobiologen und Astrophysikern dieser, unserer Welt bestätigtes technologisches Wissen im Inneren unseres Seins. Eines jeden Seins. Also quasi; Insane inside ;). Das Buch ist bei Amazon erschienen. Verkaufen muss ich es selber. Das macht es nicht von alleine. Amazon macht es auch nicht für mich. Da kann ein jeder von uns also Hilfe gebrauchen. Bücher schreiben ist die eine Kunst. Verkaufen die andere. Es ist mit Sicherheit von absolutem Nutzen, wenn man beides als hohe Kunst beherrscht. Danke für soviel wunderbaren Input von Dir, Walter! Ich lehne mich an Dich und betrachte verträumt Dein Sein. Alles Liebe. Lea (Alien On Earth)

  • Ich verfolge den Blog von Marcus Johanus schon sehr lange. Es gibt Blogs da denke ich mir, man will mir das Geld aus der Tasche ziehen oder da schreibt irgend ein Bandit. Dieses Gefühl habe ich bei seinem Schreiber Blog nicht. Ich sauge die hochwertigen kostenlosen Artikel auf. Irgendwann will ich selber einen Unterhaltungsroman schreiben. In einem sehr kalten Winter. Und in den Roman wird sehr viel Erfahrung aus meinen Ehrenämtern, Coaching und Marcus Blog einfließen.

  • Hey Walter,

    danke für dieses informative und insbesondere inspirierende Interview. Wenn man sich auf einem Weg befindet und sich eher allein fühlt, dann kommt solch ein Beitrag immer gut 😉

    Schönen Sonntag,
    Marco

    • Hallo Marco,

      du bist nicht allein 😀 Aber das Gefühl kenne ich auch. Wenn man alleine in seinem Zimmer sitzt und schreibt, denkt man, dass man der einzige mit solchen Problemen auf der Welt ist 😉

      LG, Walter

  • Wow, richtig klasse!

    Ich habe schon so oft angefangen ein Buch zu schreiben, aber nie wirklich weiter gemacht. Der Grund: Fehlende Disziplin.

    Ich finde es sehr wichtig, dranzubleiben. Jeden Tag etwas zu schreiben. Anfangs habe ich mir 1000 Wörter pro Tag vorgenommen. Dies werde ich aber nun auf 500 redzuzieren, da ich mir dennke, dass jeden Tag 500 Wörter leichter zu erreichen und besser sind, als 2 mal in der Woche 1000 Wörter. 500 Wörter sind nicht die Welt und sollte täglich machbar sein. 🙂

    Vielen Dank für dieses Interview. Nun weiß ich, was ich heute Abend wieder machen werde.

    Danke!

    Liebe Güße Dominik

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