Oktober 15

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Der perfekte Satz – Tipps für guten deutschen Satzbau

Deine Sätze sind deine Visitenkarte als Autor. Doch sind deine Sätze auch leserfreundlich? Ein paar Tipps und Regeln für einen starken und spannenden Satzbau. Logik und Lesefluss sind schnell und einfach zu erreichen mit diesen einfachen Tipps für guten Satzbau:

Wer steht gerne im Stau? Wer wartet gerne bei McDonald‘s eine halbe Stunde auf eine lausige Apfeltasche? Ich denke niemand. Doch gerade das machen manche Autoren mit uns Lesern. Sie lassen uns 40 Wörter lang auf das Ende des Satzes warten. Sie ziehen die zweite Hälfte des Verbes so weit weg, dass „only someone with a telescope it can see.“ (Mark Twain)

Doch warum behandeln manche Autoren uns Leser so, als hätten wir nichts besseres zu tun als auf das Ende des Satzes zu spekulieren. Ich will nicht raten, wie der Satz zu Ende geht; ich will es wissen. Und zwar möglichst schnell.

Ich will nicht raten, ob Peter vorgeschlagen oder zusammengeschlagen wurde. Ich will es wissen. (Peters Freunde schlugen…50 Wörter später…ihn vor. Ach so!!!)

Hier sehen wir, dass man mit dem falschen Satzbau die Leser verärgern und verscheuchen kann.

Ich werde versuchen die Hauptprobleme aufzuzeigen und Lösungen vorzuschlagen:

(P.S. Deine Meinung ist mir auch wichtig. Was denkst du? Wie siehen deine Sätze meistens aus? Freue mich auf deinen Kommentar!)

1) Das Problem mit der zweiten Verbhälfte!

In der deutschen Sprache haben viele Verben eine zweite Hälfte, die am Ende des Satzes stehen muss. Beispiel: „Ich bin am Samstag Auto gefahren.“

Klingt einleuchtend und einfach. Doch was, wenn wir zwischen bin und gefahren noch 28 Wörter packen: „Ich bin, nachdem ich meine Sachen gepackt und mein Auto getankt hatte, mit meinen Freunden, dem Onkel meiner Tante und dem Dackel von nebenan auf der Laderampe eines verrosteten Pickups gefahren.“ Genau 28 Wörter bis ich als Leser endlich erfahre was der Autor nun gemacht hat. Der Satz hat 1000 mögliche Endungen. Über diese muss sich der Leser dann den Kopf zerbrechen und raten: „Ich bin …gegangen, gefahren, geschlagen worden, gestorben?“

Also: Finger weg von solchen Sätzen. Der Leser wird es dir danken.

2) Das Problem mit den langen Sätzen!

Es gibt zwei Arten von Autoren: die einen wollen verstanden werden, die anderen wollen mit ihrem artistischen Satzbau den Leser beeindrucken. Letztere sollten jetzt weghören (bzw. weglesen).

Denn lange, verschachtelte Sätze, die hin und wieder, ob es nötig ist oder nicht, einen Einschub erfahren, um, wobei nicht immer, dem Leser mehr mitteilen zu können, kommen, auch wenn man es nicht will, beim Leser schlecht an.“

Haben Sie den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden?

„Man hätte doch einfach schreiben können: Lange, verschachtelte Sätze kommen beim Leser schlecht an.“ Alles andere dann in zwei weiteren Sätzen hinzufügen.

Hier gilt: Schreibe wie du sprichst und schreibe, dass man es lesen kann ohne einen Inhalator zu verwenden. Ein Satz darf nur so lang sein wie der Atem des Lesers.

3) Das Problem mit den Einschüben!

In der deutschen Sprache gibt es fantastische Möglichkeiten die Verständlichkeit eines Satzes zu zerstören. Was grammatikalisch richtig ist, ist noch lange nicht schön.

So gibt es zum Beispiel die Wörter „neben“, „obwohl“ und „nachdem“ mit denen man den Leser in einen Irrgarten der Sprache führen kann, aus dem er nie wieder herausfindet.

Beispiel: „Neben den vielen kleinen Tätigkeiten, die ab und wann mal für den Hausmeister während seiner Nachtschicht anfielen, obwohl nachts eigentlich nicht so viel los war, spielte er gerne Karten.“ Hier kommt die eigentliche Aussage erst am Ende: Der Hausmeister spielte gerne Karten.

Neben deutet an, dass jetzt etwas nebensächliches kommt. Und die Nebensächlichkeiten gehören an den Schluss bzw. in einen neuen Satz – oder einen Nebensatz.

Weiteres Beispiel: „Nachdem Peter sein Abitur gemacht hatte, zog er nach Paris.“ Besser wäre: „Peter machte sein Abitur und zog nach Paris.“

Überlasse die Formulierungen mit neben, obwohl und nachdem den sperrigen Aufsätzen in soziologischen Fachzeitschriften. Komm direkt auf den Punkt und treibe den Text voran.

4) Das Problem mit den Nebensätzen

Der Hauptsatz ist der König. Der Hauptsatz lässt sich leicht lesen. Leser lieben den Hauptsatz. Nimm ihm nicht seine Krone weg.

Ja, es kann manchmal öde wirken. Aber wenn wir dem Leser etwas zu sagen haben, sollten wir dies in einem Hauptsatz tun.

Beispiel: „Wissen ist nicht genug; wir müssen es anwenden. Der Wille ist nicht genug; wir müssen handeln.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Vier Hauptsätze nacheinander. Alles klar. Alles deutlich.

Nebensätze also nur, wenn man zusätzliche Informationen mitteilen will. Nicht die Hauptaussage irgendwo im Nebensatz verstecken.

Also nicht: „Peter wünscht sich (Hauptsatz), dass er seinen Vater wiedersehen kann (Nebensatz).“ Verpacke lieber alles in einen Hauptsatz: „Peter wünscht sich seinen Vater wiederzusehen.“

Meine Lösungsvorschläge für diese Probleme:

Problem 1:

a) Nach 5-7 Wörtern ist Schluss. Ganz einfach. Schiebe nie mehr als 5-7 Wörter zwischen die erste und die zweite Verbhälfte. Warum? Weil das meistens der Rhythmus des Lesens, Sprechens und Atmens ist, der für den Leser angenehm ist.

b) Wenn die Wörter relativ lang sind, dürfen nicht mehr als 12 Silben dazwischen liegen. Du darfst also nicht 5 Wörter wie Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz verwenden.

Problem 2: Wenn du den Satz nicht in einem Atemzug vorlesen kannst, ist er zu lang. Schreibe wie du sprichst.

Problem 3: Nebensächlichkeiten gehören in einen Nebensatz. Beginne nicht mit einem Einschub, sondern mit einem Hauptsatz. Alles andere kommt als zusätzliche Information hinten dran.

Problem 4: Verliebe dich in den Hauptsatz. Prüfe jede Formulierung mit der Frage: Kann man das auch kürzer und direkter ausdrücken?

Insgesamt gilt: Sätze sollen den Text voranbringen. Unnötige und langatmige Ausführungen langweilen den Leser meist. Niemand steht gern im Stau. Der Leser will vorwärts kommen wie auf einer Autobahn.

Merke: Deine Sätze sollen sein wie eine (baustellenfreie) Autobahn. Sie sollen den Leser schnell und unkompliziert ans Ziel bringen.

Autor: Walter Epp

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Was denkst du? Wie siehen deine Sätze meistens aus? Freue mich auf deinen Kommentar:


  • Habe vor ein paar Tagen einen schönen und passenden Tweet gesehen:
    “Writing is thinking. To write well is to think clearly. That’s why it’s so hard.”
    —David McCullough

  • Wobei ich eine Zeit lang gerne die überaus umständlichen Schatelsätze von Karl May gelesen habe (und auch während meiner Schulzeit Aufsätze meistens in dem Stil verfasst habe bzw. sogar einen Karl May’schen Western versucht habe zu schreiben o.O). Ermüdend war das nichtsdestotrotz…
    Aber es stimmt, in einem normalen, modernen Text hat solch ein Satz nichts zu suchen!
    Bis auf wenige Ausnahmen – so wie du ihn hier sehr schön als warnendes Beispiel verwendet hast 😉

    • @ Andraika:
      Schule und echtes Leben sind nun mal total unterschiedlich. In der Schule schreibt man für den Lehrer (sorry ist so).
      Aber als Autor schreibt man, um verstanden zu werden.

  • Ich bin begeistert von der echten Leidenschaft fürs Schreiben. Dein Blog gefällt mir, weil die Schreibtipps mich wieder animieren meinen eigenen Schreibblog wiederzubeleben. Ausserdem sind sie so praxisbezogen und nachvollziehbar. Danke dafür.

  • Hi danke für diese tipps! ich versuche sie mir zu herzen zu nehmen. Bei Zwei sah ich nähmlich ähnlichkeiten zu meinen Sätzen. Das einzige wo ich noch nicht genau weis wie ich es umsetzten soll ist das dritte Problem. danke für deine Hilfe mit den tipps!
    schreib so weiter, ist schön zu lesen und echt sinvoll!

  • Toller Artikel !!
    Jetzt verstehe ich endlich, warum sich die meisten Antworten auf meine Mails in keinster Weise auf mein Anliegen beziehen ! Der jeweilige Empfänger schläft vermutlich mitten im lesen ein 🙁

    Danke für die tollen Tips.
    LG Sandy

      • Heute habe ich ein Konstruktives Feedback erhalten. Diesen ging um Schreibweise der Schriftverkehr. Ich wusste auch das so kommt. Leider konnte ich vorher nicht viel verändern. Aber jetzt weiß ich was die Kolleginnen meinen. Ich schreibe gerade sehr bewusst und versuche mit wenig Wörtern auszudrucken. Du kannst mir auch beraten wie ich geschrieben habe? Ich würde mich sehr auf deinen Antwort freuen. Es ist schwierig sich selbst zu erkennen. Danke.

  • Ich schreibe selber zwar nicht viel und unregelmäßig (und auch weniger, um verstanden zu werden, sondern um es auszuprobieren und meine Ideen irgendwo festzuhalten), aber dein Text hat mein Interesse geweckt. Ich selbst schreibe oft in Schachtelsätzen (oder mit unzähligen Klammern, die man vermutlich als Einschub betrachten könnte und die nur irgendwelche Kommentare darstellen, die nicht weiter wichtig sind, mir aber erwähnenswert erscheinen). Also werde ich deine Tipps ausprobieren. Da meine bisherigen Deutschlehrer zwar oft mein Verständnis/meine Argumemtation/mein nicht-vor-Rechtschreib-/Grammatik-/Logikfehlern strozendes Deutsch als gut empfunden haben, meine Lamgatmigkeit (?) aber weniger, werden sie mir wahrscheinlich auch helfen. (Das war doch mal ein Satz ganz nach deinem Geschmack, huh?!)
    PS (eigentlich ja nicht wirklich, baer ich will nicht ‚außerdem‘ oder ‚übrigens‘ schreiben): Bei dem Beispiel bei 4. schreibst du statt einem Nebensatz einen Infinitivsatz (Peter wünsch sich, seinen Vater wieder zu sehen). Aber ein Infinitivsatz wird doch auch von einem Komma abgetrennt (ist sowas wie ein Nebensatz (?)). Wäre es nicht besser ‚Peter möchte seinen Vater wiedersehen/wünscht sich ein Wiedersehen mit seinem Vater.‘ zu sagen?

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