Dezember 1

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10 Tipps für einen besseren Schreibstil – Teil 1

1. Schweige, wenn du nichts zu sagen hast

Weniger ist mehr…Was nach einer abgedroschenen Designerregel klingt, gilt auch oft fürs Schreiben. Vor allem in Zeiten des mechanischen Schreibens.

Denn mit der Tastatur sind wir schneller und wir verbrauchen kein Papier. Nichts hindert uns daran „drauf los zu schreiben.“ Meist wird der Text dann auch so veröffentlicht: ungekürzt, unkorrigiert, uninteressant.

Nicht um den heißen Brei herum schreiben. Kommen Sie zum Punkt. Ohne Umwege.

In meinem Studium hieß es: Alles was überflüssig ist, ist falsch. Gleiches gilt für Sie.

Wenn Sie gelesen werden wollen, fassen Sie sich kurz. Der Leser hat wenig Zeit.

Lassen Sie Füllwörter weg. Wenn Sie nichts mehr zu sagen haben, hören Sie auf. Punkt.

2. Bildhafte Sprache

Der Mensch denkt in Bildern. Wir dringen zum Leser deshalb nur durch, wenn er sich ein Bild von dem machen kann, was wir meinen.

Wir helfen dem Leser, wenn wir direkt ein Bild verwenden: „Ein Dementi ist der Versuch die Zahnpasta wieder in die Tube zu drücken.“ (Alte Journalistenweisheit, habe ich aus der ZEIT).

Vorsicht: Keine Floskeln. Der Leser langweilt sich zu Tode, wenn er vom „Schneckentempo“ oder vom „Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt“ lesen muss. Er schaltet ab, da er denkt, dass jetzt nichts neues kommt. Abgedroschene Bilder also einfach weglassen.

Vorsicht: Keine unnötigen Vergleiche. Die direkte Sprache ist manchmal bildhaft genug. „Das Haus brennt“ ist bildhafter und knackiger als die Aussage „Der Feuerteufel erfasst das Haus“.

3. Sie haben nur eine Chance

In der ZEIT habe ich folgenden Satz gelesen: „Nach 20 Sekunden ist alles vorbei.“ Recht haben sie. Der Anfang ist der wichtigste Teil unseres Textes. Den Leser müssen wir in den ersten 20 Sekunden für uns einnehmen. Wenn wir das nicht tun, ist der Leser weg. Manchmal für immer.

Also: Packen Sie den Leser.

  1. Schockieren Sie ihn mit der Überschrift: „Kirche, Papst und Puff.“ Aber: Die Überschrift muss dem Text entsprechen. Sonst sucht der Leser nach dem „Puff“ und ist am Ende enttäuscht. Und kommt nie wieder.
  2. Verdrehen sie bewusst Bilder: „Der Apfel fällt nicht weit, wenn ein Schwächling ihn wirft.“ Hier kommt der sogenannte „Häh-Effekt“. Der Leser denkt sich: Muss das nicht anders heißen. Und nun haben sie seine vollste Aufmerksamkeit.
  3. Schreiben Sie nie: „So wie gestern auch, geht es heute…“ Der Leser denkt sich, dass es nur um alten Käse geht und blättert weiter. Wenn Sie deshalb ein altes Thema aufgreifen wollen, gehen Sie davon aus, dass es neu ist. Stellen Sie im Laufe des Textes den Bezug zum „vorherigen Text“ her. Und wenn der Leser bis dahin gekommen ist, ist das schon gut.

Man bekommt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

4. Ganz einfach: Übersicht

Nichts hassen Leser mehr als Fließtext und Bandwurmsätze. Gerade, wenn Sie dem Leser mehr als nur eine Sache vermitteln wollen, sollten Sie gliedern und Übersicht schaffen. Sonst verliert sich der Leser.

Also: Zwischenüberschriften und Absätze setzen. Schlüsselbegriff des Absatzes fetten oder anders hervorheben.

Klingt einfach, ist aber bei einigen Schriftstellern wohl verpönt. Sie denken, dass ihr Text dadurch kindisch, zu einfach und banal wirkt. Ja, dass soll er auch, sonst wird er nicht gelesen. Der Leser ist König. Und der König mag es nun mal gern einfach.

5. Verben, Verben und Verben 

Verben sind lebendig. Sie vermitteln Handlung und Dynamik.

Z.B. „Es findet eine Schlägerei statt.“ oder „Paul schlägt Peter eine blutige Nase.“ Die zweite Version ist griffiger, anschaulicher und das Wort an sich ist schon kürzer.

Also: suche nach Verben. Besonders bei sperrigen Begriffen wie „die Zusammenkunft“. „Die Patriarchen kommen zusammen“ liest sich viel angenehmer.

Beachte: Verben müssen nicht immer laut und reißend sein. Auch leise und stille Verben gibt es in Fülle. Schleichen, kriechen, flüstern, rascheln, kuscheln, huschen, knistern.

Vorsicht: Es gibt auch sperrige Verben. Und Verben die keine Bewegung ausdrücken wie z.B.  vorliegen, durchführen, unternehmen. Sie sind so allgemein, dass wir uns darunter nichts konkretes vorstellen können.

Vorsicht: Es gibt Verben für Angeber. Diese auch lieber weglassen. Dazu gehören „regenerieren“ (anstatt wiederherstellen), „kompensieren“ (anstatt ausgleichen) oder „implementieren“ (anstatt einführen, umsetzen).

Hier geht es zu Teil 2 !!!

 

Wem das nicht reicht und wer sich ausführlich und intensiv mit seinem Stil beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch von Wolf Schneider wärmstens empfehlen. Ich habe eine Menge gelernt und Schneider ist ein Meister seines Fachs. (Hier der Link zum Buch: Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt)

Wenn ihr die Tipps nützlich fandet, dann lasst mich das doch in einem Kommentar wissen. Verbesserungsvorschläge und Kritik auch. Vielleicht gefällt der Artikel ja auch deinen Freunden.

Autor: Walter Epp


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